Rezeptur für Video

Die Sony Alpha 7S III kann auch Fotos aufnehmen, doch die Rezeptur für Sonys neues Vollformatmodell lautet: Wir opfern Fotoauflösung für kompromisslose 4K-Clips. Damit wird die jüngste Alpha nicht mehr jedermanns Geschmack treffen. Eine erste Verkostung unternahm Sebastian Drolshagen mit einem Vorserienmodell.

Testfoto Sony Alpha 7S III

Die Alpha 7S III hat einen Hauch von Koriander. Oder Estragon vielleicht. Und das ist weniger verrückt, als es zunächst klingt. Denn auch die Kamera bringt einen speziellen Charakter mit, den man mögen muss. So, wie diese beiden Kräuter ebenso heftige Zuneigung wie Abneigung erfahren, könnte es der neuesten A7 ergehen. Selten zuvor, zumindest nicht für das Gros der Berufsfotografen, haben die Japaner offen Einblick in die Sensorküche des Hauses gewährt – schließlich ist auch bei Sony jedem klar, dass 12 Millionen Pixel nicht ins Jahr 2020 passen. Aber man habe gründlich abgewogen und bewusst die Fotoauflösung hinten angestellt, um ein optimales 4K-Bild vom Sensor abzunehmen. Merke: Die Alpha 7S III ist eine Videokamera.

Das Kapitel Fotografie lässt sich somit rasch abhandeln. Die 4.240 x 2.832 Pixel dürften vielen der Fotografen-Kolleginnen und -Kollegen kaum schmecken, bei 300 ppi kommt man nur leicht über ein A4-Format hinaus. Spielraum für Zuschnitte bleibt de facto nicht. Natürlich steht diesem Minimalismus bei der Auflösung die XXL-Lichtempfindlichkeit gegenüber. Es mag Naturforscher und Fotojournalisten geben, die trotz Bildstabilisator mal zu sechsstelligen ISO-Werten greifen – die meisten anderen können ein flexibleres Alpha-Modell wählen, dessen Leistung bei Lowlight sich spätestens dann annähert, wenn man die großen Bilddateien auf die 12 Megapixel der A7S III reduziert. Da es sich in unserem Test um ein Vorserienmodell handelt, lässt sich die Performance im Dunkeln noch nicht endgültig beurteilen, aber die JPEGs wirken störungsarm und scharf.

Bei den Videografen spielen niedrige ISO-Werte eine ebenso große Rolle wie die hohen Lichtempfindlichkeiten. Hier macht die Sony-
Kamera einen deutlichen Schritt nach vorn. Wer professionelle Nachbearbeitung betreibt und deshalb im flachen Profil „S-Log“ filmt, kann nun bis ISO 640 runtergehen, im erweiterten Bereich sogar bis 160. In der Praxis benötigt man damit seltener einen Graufilter als zuvor, denn bislang lag das Limit bei ISO 1.600. Zum Vergleich: Die neue Canon EOS R5 setzt ISO 400 als Grenzwert, im erweiterten Modus gehts runter bis ISO 100. Dieses Merkmal ist umso relevanter, weil Sony mit der A7S III klar die professionellen Filmemacher im Blick hat, von einer leichten Zweitkamera für Kinoproduktionen war sogar während des Pressetermins die Rede. Wer auf diesem Niveau arbeitet, nutzt S-Log und Color Grading ebenso selbstverständlich, wie Fotografen mit RAW-
Daten arbeiten. Ohnehin kostet man nur unter diesen Voraussetzungen die große Stärke der
Sony-Sensoren aus: Dynamikumfang. Laut Hersteller kann die neue Alpha „über 15 EV“ abbilden. Auch hier verbietet das Vorserienmodell ein echtes Votum, die Bildergebnisse überzeugen aber durchaus. Mit passenden Farbprofil-Einstellungen gelingen selbst ohne Post Production prägnante Clips direkt „out of camera“.

Testdreh

Während unseres Testdrehs mit TV-Köchin Pia-Engel Nixon erweist sich die Sony-Kamera als rundum durchdacht. Sie punktet in der Praxis, nicht nur bei den technischen Fakten. Fast ebenso beeindruckend wie die Videoauflösung von 3.840 x 2.160 bei 120p ist die Tatsache, …


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