Die Kaizen-Kamera

Mit der X100VI hat Fujifilm die sechste Generation der Kameraserie vorgestellt, die vor Jahren mit der X100 begründet wurde.

Beispielfoto Fujifilm X100VI

Fujifilm setzte mit der ursprünglichen X100 auf die richtige Karte: Während die Smartphones begannen, die kleinen Point-and-Shoots zu verdrängen, begeisterte eine Kamera, die aussah, als wäre sie aus den 1950ern gefallen, genug Fotografinnen und Fotografen, um die gesamte Produktpalette zu beeinflussen. Jetzt liegt die sechste Version vor.

Bei meinen Kameras habe ich zwei Optionen, wenn ich fotografieren gehe. Ist die Aufgabe klar definiert, gilt es, ein Theaterstück oder einen Buchtitel abzulichten, werden die Nikons eingepackt. Wenn es etwas „inkonkreter“ ist und ich zum Beispiel den japanischen Schriftsteller Haruki Murakami auf die Schnelle im Paternoster des Springer-Hochhauses porträtieren will oder wenn der russische Diktator eine Scheinwahl durchzieht, vor der Botschaft Unter den Linden Demonstranten ihre Wahlscheine neben einer blutbadenden Putin-Puppe in den Reißwolf stecken, dann greife ich zu meiner „Fuji“. Damit ist bei mir die Fujifilm X100S gemeint, die zweite Edition der mittlerweile ikonischen Edelkompaktkameraserie.

Wenn ich diese zehn Jahre Revue passieren lasse, stelle ich fest, dass einige meiner besten Bilder mit der X100 entstanden sind. Patti Smith bei Springer auf dem Damenklo. Günter Grass, der die Lautlosigkeit der unauffälligen Kamera stets schätzte, forderte mich auf, sie zu benutzen: Los Junge, mach dein Ding. Kurz darauf starb der Literaturnobelpreisträger, das Bild wurde legendär. Viele andere sollten folgen: der Fotograf Albert Watson, Christiane Kubrick und ihr Bruder Jan Harlan. Die X100S ist aus meinem Leben nicht wegzudenken.

Jetzt also ist die Nummer 6 erschienen. Das erfolgreiche Grundkonzept ist unverändert, es wurde nur dem japanischen Prinzip des Kaizen, der ständigen Verbesserung, treu bleibend, weiter ausgefeilt. Den (aus der X-H2 und X-T5 bekannten) Sensor hat man auf 40 Megapixel aufgebohrt. Das wunderbare, fest verbaute 35-mm-f/2-Objektiv wurde schon in der fünften Runde komplett erneuert. Außerdem gibt es eine integrierte Fünf-Achsen-Bildstabilisierung, die, obwohl sie bis zu sechs Blendenstufen ausgleicht, dem Gehäuse nur eine minimale Ausdehnung abverlangt (zwei Millimeter, 43 Gramm mehr Gewicht als die X100V). Die neue Kamera bleibt kompatibel mit existierenden Zubehörkomponenten wie Tele- und Weitwinkeladaptern und der Kameratasche. Ein wichtiger Teil von Fujifilms – der Firma, die ihre analoge Vergangenheit im Namen trägt – anhaltendem Erfolg sind …

 


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