Ausweitung der Schärfezone

Novoflex hat den elektronisch gesteuerten Einstellschlitten Castel-Micro vorgestellt. Ein Einsatzbereich ist das Erstellen von Fokusreihen im Nah- bis extremen Makrobereich. Michael Marczok konnte für digit! eines der ersten verfügbaren Seriengeräte testen.

Dem physikalisch-optischen Effekt abnehmender Schärfentiefe bei größer werdendem Abbildungsmaßstab kann man im Zeitalter digitaler Bildverarbeitung mit der Kombination mehrerer Aufnahmen mit unterschiedlichem Fokus begegnen. Bei der Aufnahme einer solchen Bildreihe wird die Kamera möglichst stabil auf einem Stativ platziert und der Fokus über die gewünschte Strecke im Motiv geführt. Das kann im einfachsten Fall manuell an der Kamera oder über eine Tethering-Software via Computer, aber auch vollautomatisch über ein Steuergerät, wie zum Beispiel den CamRanger, erfolgen. Der Vorteil bei diesem Vorgehen ist die Einfachheit der Mittel. Software für eine Fernauslösung und -fokussierung liegt so gut wie jeder professionellen Kamera bei. Und auch ein externes Steuergerät bewegt sich preislich in annehmbaren Bereichen. Aber: Je diffiziler, sprich je dichter ich an das Objekt heran muss oder will, desto eher versagt die Genauigkeit des Fokus der Kamera, kleinste Schritte können einfach nicht mehr realisiert werden.

Präzise Lösung

Novoflex, das Unternehmen aus Memmingen, welches sich selbst als Hightech-Manufaktur bezeichnet, ist in der Fotowelt bekannt als Hersteller hochpräziser Speziallösungen für besondere Aufgaben wie Panorama- und Makrofotografie sowie hochwertiger Zubehörteile.
Mit dem elektronischen Einstellschlitten Castel-Micro geht Novoflex die Erstellung von Fokus-Stacks von einer anderen Seite an: Mithilfe des Schlittens wird nicht der Fokus, sondern die Position der Kamera verändert, sie fährt mit fixer Schärfeeinstellung über den zu fotografierenden Bereich. Was das Gerät auszeichnet und von der einfacheren Herangehensweise über die Fokussierung abgrenzt, ist die extreme Genauigkeit. Auf dem gesamten maximalen Einstellweg von 100 mm beträgt die kleinste, präzis wiederholbare Schrittlänge 0,2 Mikrometer. Das sind 0,0002 mm. Damit können mit speziellem Zubehör wie Balgen und Lupenobjektiven Fokus-Stacks auch an der Grenze zur Mikroskopiefotografie realisiert werden.

So extrem muss es aber nicht sein. Auch Produkt- oder Naturfotografie im Nah- und Makrobereich profitiert von der Präzisionstechnik made in Memmingen. Für einen praktischen Test habe ich mir ein Schmuckstück, eine Halskette, ausgesucht. Formatfüllend würde ich diese niemals von vorn bis hinten scharf bekommen. Mit einem Fokus-Stack wird mir dies nicht nur gelingen, ich kann dabei auch wählen, ob ich die förderliche Blende des Objektivs nutze, also die Blende, bei der ich die maximale Schärfentiefe beim gleichzeitig minimalen Beugungsfehler erhalte, oder die kritische Blende, also die Blende…


Lesen Sie weiter in:

Ähnliche Beiträge