DFG ehrt KI-Forscher mit Leibniz-Preis

Prof. Dr. Klaus-Robert Müller, Professor für Maschinelles Lernen an der TU Berlin, ist mit einem Leibniz-Preis geehrt worden.

Prof. Dr. Klaus-Robert Müller

Damit würdigte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) Müller unter anderem für seine jahrzehntelangen grundlegenden Beiträge zur KI-Forschung und deren Anwendung in den Naturwissenschaften. Die diesjährigen Leibniz-Preise wurden im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verliehen. Die Veranstaltung wurde von DFG-Präsidentin Prof. Dr. Katja Becker eröffnet und umfasste Grußworte der Bundesministerin Dorothee Bär sowie der Berliner Wissenschaftssenatorin Dr. Ina Czyborra.

Einflussreiche Persönlichkeit

Klaus-Robert Müller zählt international zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des modernen maschinellen Lernens. In den 1990er-Jahren entwickelte er gemeinsam mit Vladimir Vapnik die theoretischen Grundlagen der Support-Vector-Maschinen (SVM), die bis heute zu den bedeutendsten Fortschritten auf diesem Gebiet zählen. Seine späteren Arbeiten zu tiefen neuronalen Netzen prägten das Fachgebiet ebenfalls maßgeblich.

In jüngerer Zeit betreibt er insbesondere Forschung zu der sogenannten erklärbaren künstlichen Intelligenz (Explainable Artificial Intelligence, XAI) – einem Forschungsfeld, das darauf abzielt, KI-Systeme transparent und nachvollziehbar zu gestalten und damit ihren Einsatz in kritischen Systemen wie zum Beispiel der Medizin zu ermöglichen.

Ein weiterer Fokus seiner aktuellen Arbeiten liegt auf dem Einsatz von maschinellem Lernen in den Wissenschaften, besonders in der Physik und der Chemie. „Ein Trend, der mich ganz besonders interessiert, sind neue spezialisierte Foundation Modelle für die Wissenschaften. Wir haben zum Beispiel SO3LR entwickelt, ein Foundation Modell für Quantenchemie oder auch Atlas-2, ein Foundation Modell für die Histopathologie. Das sind erste wichtige Schritte und eine gute Basis, um auch komplexe wissenschaftliche Fragen mit wenig verfügbaren Daten beantworten zu können“, erzählt Klaus-Robert Müller. „Man sollte sich allerdings nicht ausschließlich auf die Foundation Modelle konzentrieren, KI ist viel reichhaltiger als nur Foundation Modelle.“

Müller ist überzeugt davon, dass der Einsatz von KI ganz neue und spannende Möglichkeiten birgt und das wissenschaftliche Arbeiten stark verändern wird. Aber: „Junge Wissenschaftler müssen gestern wie heute die mathematischen und technischen Grundlagen ihres Feldes lernen, sonst können sie die Korrektheit und Qualität möglicher KI-Ergebnisse nicht beurteilen“, so Müller. Erst die Neuinterpretation oder das Infragestellen von bestehendem Wissen, treibe den wissenschaftlichen Fortschritt an. Genau das ist es, was Klaus-Robert Müller auch heute – nach über 38 Jahren in der Wissenschaft – noch motiviert: „Ich bin aus Lust an der Erkenntnis Forscher geworden. Deshalb werde ich in meinen Lieblingsfeldern, maschinelles Lernen in der Theorie und Anwendungen in Histopathologie und Quantenchemie, weitermachen – so lange bis mir die Fragen ausgehen.“

Prof. Klaus-Robert Müller wird seine Leibniz-Vorlesung an der TU Berlin am 28. Mai halten.