Kameralos glücklich

2023 tauschte Brenda de Vries ihre Kamera gegen das KI-Tool Midjourney und spricht heute von „kreativer Befreiung“.

Wenn es einen roten Faden im Leben von Brenda de Vries gibt, ist es dieser: der stete Wille zur Neuorientierung. Brenda de Vries wurde 1974 in Amsterdam geboren. Mit 15 arbeitete sie in Restaurants und Clubs, besuchte dann eine Fachhochschule für Bekleidungsindustrie, machte zusätzlich einen Abschluss in Marketing und arbeitete zunächst als Produktionsleiterin in der Bekleidungsindustrie. Sie langweilte sich und suchte einen neuen Job und arbeitete als Marketingplanerin mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zusammen. Dann gewann die passionierte Amateurfotografin einen Fotopreis, entschloss sich, ihr Hobby zum Beruf zu machen, und schrieb sich an einer Akademie für Fotografie ein. 2003 machte sie sich als Werbefotograf selbstständig, gewann Preise und wurde in Lürzer’s Archive „200 Best Ad Photographers Worldwide“ aufgenommen. Über 20 Jahre lang arbeitete sie als Fotografin für Kunden wie Adidas, Colgate, Ikea, Gillette, Sony Ericsson oder Wrangler Europe – bis sie 2023 mit dem ein Jahr zuvor vorgestellten generativen KI-Tool Midjourney in Kontakt kam.

Wie viele sah sie zunächst die Gefahren für ihren Berufsstand, die Angst aber wich schnell einer Faszination für die scheinbar uferlosen Möglichkeiten: eine neue Technologie als Werkzeug der Befreiung. „Zu diesem Zeitpunkt hatte ich meine Arbeit zunehmend als mechanisch und entfremdend erlebt“, sagt de Vries. „In der kommerziellen Fotografie habe ich Tausende Bilder pro Tag produziert, aber immer weniger kreative Kontrolle, ich fühlte mich zeitweise wie eine professionelle ‚Knopfdrückerin‘, weil viele Entscheidungen bereits vor dem Shooting von Kunden und Agenturen getroffen wurden.“

Ausbruch aus dem Hamsterrad

De Vries begann sich intensiv mit Midjourney auseinanderzusetzen und erkannte mit den sich schnell verbesserten Versionen der Software das kreative Potenzial. Bildideen sofort umsetzen, freier experimentieren, neue ästhetische Wege erkunden: De Vries war begeistert. Heute arbeitet sie praktisch ausschließlich KI-basiert, …

 


 

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