The Angst Project

Hast du Angst? Diese Frage stellt Peter Schreiber Menschen, die sich in Gefahr begeben, ehe er sie porträtiert. Hier erzählt er, was ihn zu seinem Langzeit-Projekt bewogen hat – und was Angst für ihn persönlich bedeutet.

Berufsbedingt bin ich immer mal wieder Gefahren ausgesetzt. Ich bin fotografisch breit aufgestellt, arbeite in den Bereichen Life-
style, Mode, Transportation und Action für diverse Automobil- und Motorradkunden, Fußball-Profivereine, porträtiere aber auch immer wieder Extremsportler für verschiedene Magazine. Dabei bewege ich mich auch öfter unter Wasser, in der Luft, auf Gletschern oder am Masttop einer Segeljacht – Situationen, die potenziell gefährlich sind. Weshalb ich auch immer mal wieder gefragt werde, ob ich Angst habe.

Interessanterweise ist das in diesen Situationen eigentlich nie der Fall, vermutlich weil ich als ehemaliger Windsurf-Profi mit physischen Extremerfahrungen vertraut bin. Dennoch ist mir natürlich bewusst, dass die Angst ein elementares Gefühl ist, ohne das wir nicht überleben könnten. Wenn du keine Angst hast, rennst du einfach auf die Straße und wirst überfahren. Meine eigenen Ängste sind eher unterschwelliger Natur. Existenzängste beispielsweise oder die Angst, dass sich die Dummheit in der Welt durchsetzt, dass unsere Gesellschaft irgendwann „kippt“.

Ein subjektives Gefühl

Das Thema Angst hat mich schon immer fasziniert. Deshalb habe ich 2017 mein Langzeitprojekt „The Angst project“ gestartet (den Titel habe in Anlehnung an den im Englischen geflügelten Begriff „The German Angst“ gewählt). Mir ging es darum, fotografisch auszuloten, wie sich dieses Schlüsselgefühl bei unterschiedlichen Menschen äußert. Der rote Faden: Im Mittelpunkt stehen Protagonisten, die in einem gefährlichen Umfeld arbeiten, gefährlichen Tätigkeiten oder Hobbys nachgehen.

Im Laufe der letzten drei Jahre habe ich unter anderem mit einem Free-Solo-Climber, einen Hai- und einem Apnoe-Taucher, einem Weltumsegler, einem Wolfsbesitzer, einem Downhill-Skater, einem Feuerwehrmann aus New York und einem Taxifahrer aus der Bronx über ihre Leben und ihre Leidenschaften gesprochen. Alle habe ich das Gleiche gefragt: „What about Angst?“ Hast du keine Angst, bei dem, was du tust? Ich habe diese Frage im Laufe des Gesprächs ganz unvermittelt gestellt, ohne Vorwarnung. Gleich darauf, während sich das Wort im Kopf meines Gegenübers breitmachte, …

 


Lesen Sie weiter in


 

TIPA 2020