Techtalk Teil 3: Auf der Suche nach der perfekten Belichtung

Wie war das denn noch mal mit der Lichtmessung und der Objektmessung? Wie liest man die Lichtwaage, und warum setzt man eine Graukarte ein? Was ist eigentlich ein Lichtwert, und was bedeutet ISO-Invarianz? Hier finden Sie die fototechnischen Grundlagen dazu praxisnah erläutert. Von Tilo Gockel

Die Grundlagen

Bevor wir in die Praxis einsteigen, sind ein paar Zeilen zur Theorie hilfreich. Im ersten Schritt gilt es, zu klären, was denn eine Belichtung überhaupt ist. Der Physiker nennt so das Produkt aus Beleuchtungsstärke und Belichtungszeit und bezeichnet es mit der Einheit Luxsekunde. Dem Fotografen ist das nicht griffig genug. Er führt den Lichtwert ein, um die Belichtung zu beschreiben.

Belichtung bedeutet das Einwirken des Lichts auf einen Film oder Sensor, beeinflusst von der Beleuchtung, vom Reflexionsvermögen des Motivs, von der Blende des Objektivs und von der Belichtungszeit. Für den Umgang mit der Belichtung haben die Fotografen eine praktische, einheitenlos gebrauchte Größe eingeführt, den Lichtwert, LW, bzw. auf Englisch Exposure Value, EV. Als Lichtwert bezeichnet man ein Tripel aus den drei Parametern Blendenzahl, Zeit, ISO.

Wenn man die Beleuchtungsstärke auf dem Sensor verdoppelt oder halbiert, muss man in der Lichtwertreihe plus oder minus 1 rechnen. Dieser Zusammenhang ist logarithmisch formuliert, weil auch der menschliche Sehsinn so funktioniert (Weber-Fechner-Gesetz 1). Interessant ist weiterhin, dass der Lichtwert eine absolute Größe ist, deren Zusammenhang mit Blende, Zeit, ISO folgendermaßen definiert ist:

Bei Blendenzahl 1, Belichtungszeit 1 Sekunde und ISO-Wert 100 ist EV = 0.

Das wiederum erlaubt, für bestimmte Szenen einen festen Lichtwert anzugeben. So kann man für eine Szene im Sonnenlicht den Lichtwert 15 annehmen, für Bürobeleuchtung Lichtwert 7–8, nachts im Freien bei weit entfernten Häusern rund Lichtwert 0. Wenn man also Blende 1,0, 1 Sekunde und ISO 100 einstellt, dann kann man nachts auf einem Feld, bei weit entfernten, erleuchteten Häusern korrekt belichtete Fotos aufnehmen. Gut zu wissen! Ausgehend von ganzzahligen Lichtwertschritten gelangt man auf die Blendenreihe, die Zeitreihe und die ISO-Reihe. Die Blendenreihe in ganzen Schritten ergibt sich durch fortgesetztes Dividieren oder Multiplizieren mit √2, die Zeitreihe und die ISO-Reihe ergeben sich schlicht durch fortgesetztes Verdoppeln oder Halbieren.

Eine perfekte Belichtungseinstellung liegt dann vor, wenn der bildwichtige Teil des Motivs so belichtet ist, dass eine Messung des Lichts in Richtung Kamera (eine Lichtmessung, siehe unten) an dieser Stelle einen Lichtwert liefert, der mit dem Lichtwert, den die aktuelle Einstellung von Blende, Zeit und ISO festlegt, übereinstimmt.

Anders formuliert: Wenn wir im Aufhängerbild vor Olenas Gesicht einen Belichtungsmesser halten, in Richtung Kamera zeigend, dann sollte dessen Ausgabe mit den Werten in der Kamera übereinstimmen. Wenn wir vor Olenas Gesicht eine Graukarte halten, diese mit der Kamera per Spotmessung anmessen, müssen wir Blende, Zeit und ISO so austarieren, dass die Lichtwaage im Sucher auf 0 EV geht. Die Objektmessung…


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