Die Lunte brennt

„Revolution“ klingt nach Chaos und Anarchie. Der neuen Canon EOS R5 könnte dagegen der Umsturz gelingen, weil Canon etwas sehr Ziviles getan hat: den Kunden zuhören.

Mit internem Bildstabilisator, 8K-Video, Joystick und zwei Speicherkartenplätzen erfüllt die R5 lang gehegte Wünsche. In Anbetracht dessen, was die EOS R und die Objektive des R-Systems schon jetzt leisten, liegt die Lunte an Sonys Thron im Saal der Spiegellosen, findet Sebastian Drolshagen.

Noch hat niemand jenseits des Canon-Kosmos die R5 in der Hand gehabt, aber das Datenblatt legt nahe: Mit der R5 könnte jener große Wurf gelingen, auf den zahllose Canon-Fotografen seit drei Jahren warten. Was mancher vergessen hat, während Sony die Kon- kurrenz vor sich hertrieb, ist, dass mit der EOS R bereits ein leistungsfähiges Werkzeug existiert – das lässt die neue R5 umso potenter wirken.

Die EOS R ist, was die Auflösung und Ausstattung betrifft, die spiegellose Version der 5D-Mark-IV-DSLR. Im Langzeittest zeigt die EOS R, dass sie dem professionellen Alltag gewachsen ist, sie erledigt nahezu jeden Job. Dass die EOS R eine gute Kamera ist, liegt vor allem an der Bildschärfe. Die Kombination aus fantastischen RF-Objektiven und Canons Dual-Pixel-Autofokus besticht. Der AF erledigt das Scharfstellen extrem schnell und verlässlich, sowohl beim Fotografieren als auch beim Filmen. Klar, der Phasenvergleich der DSLR hat sich bewährt, aber schmilzt der Schärfebereich bei Blende 1,x auf eine Winzigkeit, erzielt die Spiegellose weit mehr Treffer als die Spiegelreflex.

Dass Bild- und AF-Sensor sich auf einer Ebene befinden, merzt genau die Abweichungen aus, die einem bei Offenblende sonst den Hals brechen. Angesichts von Objektiv-Diamanten wie dem RF 50mm F1,2 und dem RF 85mm F1,2 liegt hier ein entscheidendes Plus. Denn die RF-Objektive, die Canon vorgestellt hat, brillieren – und das durch die Bank. Ihre maximale Blendenöffnung darf man absolut ernst nehmen: Das bringt riesigen Spaß! Zwar sind das 1,2/50 mm und das entsprechende 85er schon bei den EF-Objektiven legendär; doch im Vergleich mit den neu gerechneten Modellen fürs RF-Bajonett sind sie langsamer und weicher. Den Maßstab in puncto Schärfe setzen die RF-Objektive, sie sind langfristig das Fundament für Canon-Vollformatkameras ohne Spiegel.

Angesichts derart hochgezüchteter Linsen war absehbar, dass Canon künftig mit mehr Pixeln aufwarten wird als den 30 Millionen der EOS R. Noch schweigen sich die Japaner zur Auflösung der EOS R5 aus. Zu erwarten, dass sie das erste R-Modell übertrifft, ist trivial, die Spekulationen sprechen von 45 Megapixeln. Aber legt es bereits die R5 darauf an, Sonys Megapixel-Boliden zu entthronen? Oder muss genug Spielraum bleiben, um ein eigenes Pixel-Monster ins Portfolio zu integrieren? Fest steht: Alle aktuellen RF-Objektive bieten ein Potenzial an Schärfe, das Luft für künftige Sensor-Entwicklungen lässt.

Erst kürzlich hat Canon mit den „Trinity-Zooms“ die heilige Dreifaltigkeit der Zoom-Objektive komplettiert. Drei Modelle mit f/2,8 decken nun 15 bis 200 mm ab, …

 


Lesen Sie weiter in


 

TIPA 2020
Tags:
,