Der Platzhirsch macht mobil

Adobe poliert sein Software-Portfolio auf: In Photoshop funktionieren künftig komplexe Haar-Maskierungen für Portraits automatisch. In Lightroom lassen sich schon bald Farbtöne in lokalen Bildbereichen anpassen. Noch mehr Neuerungen gibt es vor allem bei den mobilen Apps.

Von Sebastian Drolshagen

Seit es die Creative Cloud gibt, rinnen kontinuierlich Verbesserungen aus San José durch die Datenleitung. Darüber hinaus setzt Adobe immer wieder Marksteine bei seiner Weiterentwicklung von Photoshop, Lightroom, Premiere & Co. Das sogenannte „Juni Release“ des Jahres 2020 hält für Berufsfotografen zwei Verbesserungen bereit, die hervorstechen: Zum einen gelingt es Photoshop noch besser, uns Arbeit beim Freistellen mit Masken abzunehmen. Zum anderen ergänzt Lightroom die Möglichkeit, selektive Farbkorrekturen (HSL) als lokale Anpassung vorzunehmen, also über den Pinsel oder die beiden Verlaufsfilter.

Beide Punkte dürften vor allem Portraitfotografen aufmerken lassen: Hauttönen in Lightroom ein Fein-Tuning zu verpassen, klappt natürlich jetzt schon, die Korrekturen mithilfe von Sättigung oder Farbtemperatur erscheinen jedoch wie ein Scherenschnitt, wenn man sie mit der chirurgischen Präzision im HSL-Farbmodell vergleicht, das nun genutzt werden kann.

Das Freistellen von Models mit wehendem Haar (oder possierlichen Küken mit Gänsehaut ) gehört seit jeher zu den Königsdisziplinen – eine Aufgabe, die man meist nur mit viel Fleiß und kleinen Pinseln zufriedenstellend lösen konnte. Dabei verrann Stunde um Stunde. Adobe hat seit Jahren seine automatischen Auswahlen deutlich verbessert, für einfache Produktfreisteller funktioniert „Auswahl > Motiv“ schon jetzt sehr gut. Bei blonden Locken im Abendwind entstand jedoch eher ein Schattenriss als eine feine Maske, die sich für ebenso feine Montagen eignen würde. Damit soll es nun vorbei sein. Nach dem Update kann die Auswahlfunktion sehr viel zartere Härchen freistellen und weiche Übergänge definieren, ganz so, als würde man selbst pinseln.

Neben diesen beiden bemerkenswerten Funktionen haben die Kalifornier einmal mehr an Details geschraubt. Das Modul Adobe Camera Raw in Photoshop wurde aufgeräumt und sinnvoll neu sortiert. Außerdem heißt es, man habe erneut die Performance von Lightroom Classic verbessert. Ohnehin wirft das „Juni Release“ erneut die Frage auf, wie es mit Lightroom Classic weitergeht. Denn die Lightroom-CC-Variante mit App- und Cloud-Anbindung wächst rasant. Immer mehr Merkmale des Classic-Programms tauchen in CC auf, neue Funktionen wie die lokale Farbkorrektur bekommt Lightroom CC ebenfalls. Man wird den Eindruck nicht los: …


Lesen Sie weiter in


 

TIPA 2020