Audio für Augenmenschen

Der Fotograf Florian W. Müller über seine (sehr empfehlenswerte) Podcast-Reihe Shuttertalk, in der er mit Kollegen über fotografische Sichtweisen, kreative Strategien und aktuelle Projekte spricht. Von Peter Schuffelen

„Natürlich sehe ich mich als Fotograf vor allem als Augenmensch, als jemand, der versucht, möglichst eloquent und innovativ in und mit Bildern zu kommunizieren. Andererseits hatte ich schon immer ein Faible für das gesprochene Wort im Allgemeinen und den Radiojournalismus im Besonderen. Das spiegelt sich auch in meiner Biografie wider: Schon als Kind habe ich mit Freunden eigene Folgen der Kinder-Krimiserie ‚Die drei ???‘ aufgenommen, und noch während der Schulzeit habe ich beim WDR-Hörfunk in der Abteilung für Kultur und Wissenschaft assistiert und eigene Beiträge produziert. Später habe ich mich zum Sprecher ausbilden lassen, eine Zeit lang war ich sogar Teil des Sprecherensembles des Deutschlandfunks. Am Ende habe ich mich dann aber doch für die Fotografie entschieden – und mein Radio-Faible ein wenig aus den Augen verloren. Nicht zuletzt wegen der vielen interessanten Gespräche, die ich seit meiner Aufnahme in den BFF im Jahr 2013 mit vielen Kollegen hatte, ist dann irgendwann die Idee gereift, meine Leidenschaften für das Visuelle und das Auditive miteinander zu verbinden und eine eigene Podcast-Serie über Fotografie auf den Weg zu bringen.

Anfang 2018 habe ich dann ein grobes Konzept entwickelt, mir das erforderliche Equipment zugelegt – professionelle Mikrofone, Schnitt- sowie Editierprogramme – und im Juli 2018 meine erste Sendung produziert. Zu der Zeit war ich gerade in London, weil ich für die AOP Awards (Auszeichnung der Association of Photographers, dem britischen Pendant zum BFF, Anm. d. Red.) nominiert war, habe dort den bekannten Tierfotografen und AOP-Präsidenten Tim Flach (s. digit! 2-2012) getroffen, mich mit ihm in seinem Studio verabredet und ihn interviewt. Vor der ersten Shuttertalk-Sendung war ich dann doch einigermaßen aufgeregt, inzwischen habe ich aber einiges an Routine entwickelt.

Meine Sendungen dauern ca. eine Stunde und sind alle ähnlich aufgebaut: Nach dem Jingle und einem mehrminütigen Intro, in dem ich erzähle, was sich bei mir gerade so tut, begrüße ich einen Gast, mit dem ich dann den Rest der Zeit über seine Bilder, fotografische Herangehensweise und aktuelle Projekte spreche. Der Podcast, den man über shuttertalk.de, Spotify, Apple Podcast sowie Deezer streamen kann, soll für sich alleine funktionieren, idealerweise schauen die Zuhörer aber parallel auf die Website des Gasts, denn fast immer sprechen wir konkret über einzelne Bilder oder Ausstellungen, die ich auch in den Shownotes verlinke, in denen der Ablauf der Sendung mit Minutenangaben gelistet ist.

„Live“-Charakter dank spontanem Gespräch

Ich versuche, die einzelnen Sendungen weitgehend ungeschnitten zu produzieren, um das Gefühl einer Live-Sendung zu wahren. Das entsteht auch dadurch, dass ich meinen Gesprächspartnern während der Produktion gegenübersitze. Lediglich die letzte Sendung habe ich wegen des Corona-Shutdowns via Skype geführt und meiner Gesprächspartnerin Edda Fahrenhorst dazu vorab ein Aufnahmegerät geschickt, um eine professionelle Tonqualität sicherzustellen.

Ich bereite mich stets gewissenhaft auf meine Sendungen vor. Bei prominenten Gästen, die schon eine Unmenge an Interview-Fragen gehört haben – etwa dem Fotografen Jimmy Nelson, den ich während des „Horizonte Zingst“-Festivals interviewt habe – lese ich im Vorfeld alle Interviews, derer ich habhaft werden kann. Denn eines darf aus meiner Sicht nicht passieren: …

 


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