Techtalk, Teil 9: Blitztricks

Der Umgang mit Blitzlicht braucht Fingerspitzengefühl, aber das enorme Potenzial dieser Kunstlichtquelle entschädigt für den Aufwand.

Tilo Gockel frischt die Grundlagen auf und liefert ein paar raffinierte, neue Blitzlichttricks.

Wer die ersten Gehversuche mit Blitzlicht wagt, merkt rasch, dass der Blitz nicht nur viel „heller“ ist als ein Dauerlicht, sondern auch viel „schneller“. Der Blitz brennt im Regelfall so schnell ab, dass er komplett in die Belichtungszeit der Kamera hineinpasst. Wenn man nicht zu kurz belichtet, ist die Belichtungszeit irrelevant.

Das ist der wesentliche Unterschied zum Dauerlicht, dessen Einfluss auf die Belichtung immer zeitbezogen ist. Wenn man länger belichtet, trägt es länger zur Belichtung bei.

Bei herkömmlichem Blitzeinsatz gilt:
Die Belichtungszeit wirkt nur auf das Umgebungslicht.
Die Blitzenergieeinstellung wirkt nur auf das Blitzlicht.
Die Blende und die ISO-Einstellung wirken auf das Blitzlicht und Umgebungslicht.

Wenn man Blitzlicht einsetzt, hat man es somit stets mit der Belichtung auf das Blitzlicht und mit jener auf das Umgebungslicht zu tun. Nützlich dabei ist, dass man diese zwei Belichtungen innerhalb gewisser Grenzen unabhängig voneinander einstellen kann.

Umgebungslicht ausblenden

In Innenräumen sollte es selbst mit einem Speedlight zuverlässig gelingen, das Umgebungs- licht wegzublitzen. Das funktioniert, indem man die Belichtungszeit auf die Synczeit plus Funksender-Latenz stellt und dann Blende und ISO so austariert, dass man auf das Umge- bungslicht rund drei Blenden unterbelichtet. Das kontrolliert man dann per „Schwarzschuss“ oder schlicht im elektronischen Sucher: Ist das Live-Bild fast schwarz? Gut! Dann kommt der Blitz dazu …

Diese Technik ist simpel, birgt aber nicht nur im Studio enormes Potenzial. Die Neonröhren vor Ort stören Sie? Blitzen Sie sie weg! Das Licht vor Ort ist langweilig? Setzen Sie mit dem Blitz eigenes Licht! Manche Hochzeitsfotografen verteilen in den Räumen der Veranstaltung einfach fünf, sechs Stative mit Speedlights für optimales Umgebungslicht, nutzen eine handgeführte Softbox oder einen Bounce-Flash für das Hauptlicht und blenden so das öde Raumlicht vor Ort aus.

Mit dem „Schwarzschuss“ stellt man sicher, dass das Umgebungslicht nicht stört und kann dann „auf der grünen Wiese“ beginnen, eigenes Licht zu setzen. Für ein klassisches Studio-Kopfportrait ist das ein guter Ansatz, nicht aber für ein szenisches Portrait oder für Party- oder Event-Bilder. Bei solchen Fotos möchte man auch die Umgebung sehen, also das Umgebungslicht einbeziehen. Dafür schaltet man wieder zuerst den Blitz aus. Im Anschluss stellt man dann die Kamera so ein, dass die Umgebung gut wirkt – ein Testschuss ohne Blitz kontrolliert das. Erst dann kommt wieder der Blitz hinzu …

 


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