Techtalk Teil 4: Auf der Suche nach den perfekten Farben

Macht Canon wirklich so schöne Hauttöne? Ist Sony immer warm und grünlastig? Macht Sigma dank Foveon-Technologie sowieso die schönsten Farben? Einige der Mutmaßungen, Mythen und Mysterien rund um das Thema Fotofarben können wir in diesem Beitrag womöglich aufklären. Von Tilo Gockel

Kameraumsteiger haben häufig das Problem, dass die neue Kamera von Y ungewohnte und womöglich schlechtere Farben liefert als das bisherige Modell von X. Lassen Sie uns schauen, woran das liegt und wie man gegensteuern kann.

Die Grundlagen

Unterschiedliche Kamerafabrikate liefern unterschiedliche Farben. Wer eine neue Kamera einsetzt, womöglich noch von einem anderen Hersteller, wird bestätigen, dass sich die RAW-Konvertierung anders anfühlt. Bevor man nun daraus schließt, dass das eine Produkt schlechter ist als das andere, lohnt ein Blick entlang der Prozesskette der Farbverarbeitung – von der Wurzel bis zum Blatt.

CMOS-Sensoren basieren auf dem Effekt der Photodiode und sind von Natur aus farbenblind. Sie messen nur die Beleuchtungsstärke und geben proportional dazu einen Strom aus. Wer Farben sehen will, muss tricksen. Selten wird dazu das Sigma/Foveon-Prinzip eines Schichtsensors genutzt oder die Kamera mit Prisma-Strahlteiler und drei Chips für R, G und B bestückt. Weit häufiger ist die Verwendung einer Filtermaske nach dem Prinzip von Herrn Bryce E. Bayer von der Firma Kodak, die jedem Pixel ein kleines R-, G- oder B-Filterelement vorsetzt.

Mit diesen Filtern kann die Kamera nun Farben unterscheiden. Tatsächlich sind die Filterkurven aber alles andere als perfekt, und so muss zuerst einmal kanalweise eine Anpassung erfolgen. Hierbei werden die Kurven auf ein einheitliches Niveau verstärkt (im Beispiel: B, G auf das Niveau von R). Dann wird kanalweise der Weiß- und Schwarzpunkt gesetzt.

Dann erst folgt der Weißabgleich (Sonne, Blitz, Schatten, automatisch etc.), um dann anschließend auf den ausgeglichenen Kanälen die Umrechnung des Bayer-Patterns auf ein RGB-Farbbild vornehmen zu können (per Demosaicing). Das sind viele Teilschritte, die von jedem Hersteller leicht unterschiedlich umgesetzt werden. Wer perfekt einheitliche und reproduzierbare Ergebnisse benötigt, sollte daher seine Kamera kalibrieren. Tools wie der SpyderCHECKR 24 oder der ColorChecker Passport bieten hierzu eine Farbtabelle für die Kalibrierung…


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