Sven Simon: Das besondere Bild

Zum 80. Geburtstag des 1980 verstorbenen Sven Simon, Sohn von Axel Springer, ist ein Bildbandf mit dem Lebenswerk des Fotorgafen veröffenbtlicht worden.

Das Cover des Buches „Das besondere Bild“.

Peter Schuffelen hat mit den Herausgebern gesprochen: Sven Simons Sohn Axel Sven Springer und Lars-Broder Keil, dem Leiter des Axel-Springer-Unternehmensarchivs.

Herr Springer, Herr Keil, wann und warum haben Sie den Entschluss gefasst, einen Bildband über Sven Simon herauszugeben?

Porträts Lars-Broder Keil und Axel Sven Springer

Lars-Broder Keil (l.), Axel Sven Springer

Lars-Broder Keil: Ich bin während meiner journalistischen und archivarischen Tätigkeit immer wieder auf Fotos gestoßen, bei denen ich dachte: Das kann nur ein Sven Simon sein! So nannte sich ja Axel Springer junior. Dann habe ich auf die Rückseite geschaut, und oft war da tatsächlich der entsprechende Agentur-Stempel. Simon hatte definitiv eine unverkennbare Handschrift. Irgendwann entstand dann die Idee, sein Lebenswerk in einem Buch gebündelt sichtbar zu machen. Ich wollte unbedingt die Familie mit ins Boot holen, deshalb habe ich Axel Sven Springer kontaktiert.

Axel Sven Springer: Herr Keil ist bei mir auf offene Ohren gestoßen, denn ich hatte schon anlässlich des 75. Geburtstag meines Vaters eine ähnliche Überlegung im Kopf. Jetzt also der 80. Geburtstag – ich denke, das war überfällig.

Herr Springer, wie haben Sie Ihren Vater als Fotografen erlebt?

Springer: Eigentlich gar nicht. Als er aus dem Leben schied, war ich 13, ich war – wie auch er in seiner Jugend – im Internat. Wenn wir uns in den Ferien gesehen haben, haben wir das gemacht, was Vater und Sohn so tun: Schach spielen oder Fußball. Ich habe ihn nur ein paar Mal mit Kamera in der Hand erlebt. Seine fotografische Lebensleistung habe ich erst später begriffen – und manches sogar erst im Laufe der Produktion des Buchs.

Was meinen Sie damit?

Springer: Mein Vater ist ja vor allem als Sportfotograf bekannt und nicht zuletzt durch den nach ihm benannten Sven-Simon-Preis für Sportfotografie bis heute in der Öffentlichkeit präsent. Aber da gibt es so viel mehr zu entdecken: den Zeitchronisten, den Reisefotografen, den politischen Berichterstatter …

Keil: Das erlebe ich genauso. Ich war schon länger fasziniert von der fotografischen Leistung Sven Simons und fand es schade, dass immer die gleichen Bilder gezeigt werden. Das Bild von Uwe Seeler mit hängendem Kopf nach dem verlorenen WM-Finale 1966, das später zum „Sportbild des Jahrhunderts“ gekürt wurde, ist natürlich weltbekannt. Auch das Bild von Willy Brandts Kniefall in Warschau ist fest im kollektiven Bildbewusstsein verankert und weithin sichtbar – zuletzt ist es sogar auf einer Sonderbriefmarke der Post erschienen. Andere wichtige Aspekte seines fotografischen Schaffens sind in der öffentlichen Wahrnehmung hingegen leider bislang deutlich unterbelichtet. Das letzte Mal ist der Sohn von Axel Springer auf der photokina 1980 mit einer großen Schau gewürdigt worden. Die Diskrepanz zwischen dem Ruf, ein bildgewaltiger Fotograf gewesen zu sein, und der öffentlichen Sichtbarkeit ist groß. Diese Lücke wollen wir mit dem Buch schließen. Ich hoffe und glaube, dass viele durch den Bildband Sven Simon für sich entdecken können.

Wie sah die Buchproduktion aus?

Springer: Coronabedingt haben Herr Keil und ich uns nur wenige Mal getroffen, dafür aber umso öfter miteinander telefoniert. Einig waren wir uns vor allem über eins: Das Buch sollte nicht wie ein gewöhnlicher Jubiläumsband erscheinen, deshalb …


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