Stillgestanden

Michael Hußmann beschäftigt sich mit Verfahren zur optischen und mechanischen Bildstabilisierung und beschreibt, wie der Stand der Technik zur Vermeidung von Verwacklungsunschärfe ist.

Bildstabilisierung | Olympus Kamera

Das bewährte Stativ hat zwar für die Langzeitbelichtung, die sorgfältige Bildkomposition oder die Fernauslösung der Kamera weiterhin eine Daseinsberechtigung, aber wenn es nur darum geht, Verwacklungsunschärfen im Bereich der Standardverschlusszeiten zu verhindern, ist der Bildstabilisator das Mittel der Wahl. Den Anfang machten Objektive mit beweglichen Linsen, die Kamerabewegungen kompensierten; Canon, Nikon, Panasonic und Sony waren hier Vorreiter.

Seit 2004 gibt es die Alternative, die Bildstabilisierung in die Kamera zu verlagern, indem der Sensor dem wackelnden Bild nachgeführt wird. Minolta war der Pionier dieser Technologie, und Pentax sowie Olympus folgten. Während es zunächst darum ging, existierende Patente zu umgehen, indem man andere technische Wege ging, gilt es heute als erstrebenswert, die beiden Verfahren für eine noch wirksamere Bildstabilisierung zu kombinieren. Auf die elektronischen Varianten der Bildstabilisierung gehen wir hier nicht ein.

Länger belichten ohne Verwacklungsunschärfe

Der Maßstab der Wirksamkeit eines Bildstabilisators ist traditionell die Zahl der Lichtwertstufen, um die man die Verschlusszeit verlängern kann, ohne Verwacklungsunschärfen befürchten zu müssen. Die traditionelle Kehrwertregel, nach der die Verschlusszeit in Sekunden nicht länger sein soll als der Kehrwert der Brennweite in Millimetern, bezieht sich auf das Kleinbildformat. Für APS-C muss man eine um den Faktor 1,5 beziehungsweise 1,6 (bei Canon) kürzere Verschlusszeitengrenze ansetzen und für MFT einen Faktor 2 ansetzen. Selbst an das Sensorformat angepasst, ist die Faustregel noch korrekturbedürftig, denn die Schärfeanforderungen sind bei hochauflösenden Sensoren größer; zur Sicherheit sollte man die maximale Verschlusszeit unabhängig vom Format noch einmal halbieren.

Aber was immer man auch als längste noch verwacklungsfrei aus der Hand verwendbare Verschlusszeit ansetzt: Ein Bildstabilisator verspricht, diese Zeit zu verlängern. 5 LV oder Blendenstufen bedeuten beispielsweise, dass man die noch verwacklungssichere Verschlusszeit mit 25 = 32 multiplizieren kann. Das ist jedoch nur ein Anhaltspunkt; die Fähigkeit des Fotografen, die Kamera – etwa mithilfe der richtigen Atemtechnik – besonders ruhig zu halten, behält ihren Vorteil.

Sechs Achsen

Eine weitere Kenngröße eines Bildstabilisators ist die Zahl stabilisierter Achsen. Manche bemängeln, dass man statt von Achsen besser von Freiheitsgraden sprechen sollte, aber der Begriff Achsen hat sich quasi eingebürgert. In der Hand des Fotografen kann sich die Kamera …


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