Neun Fotografen, ein Protagonist

Der Portraitfotograf Friedrun Reinhold über das von ihm initiierte freie Fotoprojekt „Portraitreise“. Er selbst und acht Kollegen haben sehr unterschiedliche Ansichten von ein und derselben Person gewonnen. Von Peter Schuffelen

„Portraitfotografen sind Einzelkämpfer, und im hektischen Alltag bleibt oft keine Zeit für die grundsätzlichen Dinge, deshalb muss man manchmal raus, um auf andere, neue Gedanken zu kommen. Raus aus seiner gewohnten Umgebung, raus aus der eigenen Gedankenwelt. Aus diesem Grund habe ich im Sommer letzten Jahres ein Treffen mit acht meiner Kolleginnen und Kollegen, allesamt Portraitfotografen, angeregt und organisiert. Dabei waren Barbara Anneser, Steffi Brehmer, Fred de Fotograf, Christian Geisler, Maren Kolf, Sibylle Ostermann, Daniela Schworm und Mareike Suhn. Es ging uns um eine Art Selbstverortung, um einen Austausch mit Blick auf den Berufsalltag. Wir haben uns in einem Hotel in Niedersachsen eingemietet und drei Tage lang geredet über die ökonomischen, technischen, kreativen, aber auch die psychologischen Herausforderungen unseres Berufs, über Zahlen, Strukturen, die Altersversorgung und die Tatsache, dass man in Portraitsitzungen nicht selten so etwas ist wie ein Seelenkummerkasten, und wie man damit umgeht.

Am letzten Tag dieser in vielerlei Hinsicht anregenden Runde habe ich die Idee in den Raum geworfen, ein Experiment zu wagen: Was, wenn jeder und jede von uns ein und denselben Menschen portraitiert, um zu sehen, wie eben dieser Mensch vor der Linse unterschiedlicher Portraitfotografen wirkt? Der Vorschlag wurde begeistert aufgenommen, die praktische Umsetzung erschien den meisten dann allerdings doch zu aufwändig. Realisierbar, so viel stand schnell fest, war sie nur, wenn wir einen Protagonisten finden würden, der bereit wäre, die Fotografen in ihrem Studio oder an ihrem Schaffensort aufzusuchen.

Irgendwann kam mir dann Konrad Müller in den Sinn, ein Mann, der selber als Fotograf gestartet ist und seit Jahrzehnten in der Portraitbranche in wechselnden Funktionen unterwegs ist – derzeit als Kundenberater für den Alben- und Passepartout-Anbieter Pasche. Er ist zudem jemand, den die meisten aus der Gruppe zumindest flüchtig kannten, und der berufsbedingt ohnehin viel reist. Ich rief Konrad an – und zu meinem Erstaunen sagte er spontan zu. Zwischen August letzten und Januar dieses Jahres fuhr Müller dann die Stationen, die sich immerhin…


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