Ganz schön aufgeblasen

Von Topazlabs kommt eine Software, die Dateien mithilfe künstlicher Intelligenz hochpäppelt. Stefan Steib hat ausprobiert, was dabei herauskommt.

Ich habe in digit! schon über AI geschrieben, man beachte dazu auch die ausführlichen Artikel meiner Kollegin Petra Vogt. Da kommt noch einiges, aber ich sags mal so – das hier ist schon da. Und diesmal wird eine Schallmauer geknackt, die eigentlich als unknackbar gilt. Wie wäre es, wenn man von einem einigermaßen scharfen Bild quasi die beliebige – also zumindest doppelte, aber auch vierfache – Auflösung erzeugen könnte, bei Bedarf und geeignetem Motiv auch mehr?

Topazlabs denkt groß und hat das Programm Gigapixel AI entwickelt. Offensichtlich haben die eine KI mit vielen, vielen Bildern gefüttert, solange bis diese Gesichter erkennt, technische Details, Grafiken, Schriften, Architektur und ganz besonders gut Strukturen, die vermutlich ein gewisses Muster haben. Stoff oder Reißverschlüsse u.Ä. funktioniert nahezu perfekt – solange die Basisdatei nicht zu schlecht ist, also kleiner als 500 x 500 px – wobei das auch geht, aber eben dann nicht für druckbare Formate.

Topazlabs hat hier mit Gigapixel AI etwas geschafft, was eigentlich unmöglich erscheint – denn woher sollen die Details kommen, die man sehen wird, wenn man auf 400 Prozent oder mehr vergrößert? Da gab es früher andere Anläufe, mit Fraktalen, mit Weichzeichnung und danach wieder Scharfzeichnen mit Fouriertransformationen – nichts da- von hat wirklich funktioniert. Meist waren die Bilder hinterher wie Pappe, die aus dem Internet vergrößerten JPEGs dabei mit Abstand die Schlimmsten, denn bei starker Kompression entstehen JPEG-Artefakte, die auch mitvergrößert wurden. Hier nun aber „weiß“ die Software, was da beim Vergrößern hingehört und was nicht, Artefakte fliegen raus und „erfundene“ Struktur kommt rein. Nur ist die so gut erfunden, dass sie genau passt, weil sie offenbar aus den Algorithmen einer riesigen Bilddatenbank schöpft.

Ich habe hier Beispiele aus dem Jahr 2002 von einer Canon EOS 60D (6 Megapixel) genommen, die ich damals durch halb Indien geschleppt habe. Und nichts ist verloren, die meisten dieser Oldtimer-Files gehen lässig hoch auf jetzt 24 Megapixel. Um das Ganze noch fieser zu machen, …

 


Lesen Sie weiter in

 


 

TIPA 2020