Farbe zu Papier gebracht

Stefan Steib sinniert im zweiten Teil seines Messgeräte-Praxistests über Fine-Art-Prints unter kontrollierten Bedingungen.

Materialien zur Farbprofilierung

Im Zuge meines Praxistests über die Messgeräte von X-Rite und Konica-Minolta zur Profilierung von Monitoren („Dampf auf dem Schirm“, siehe digit! 4-2020) ergaben sich interessante Aspekte für die Druckerprofilierung, über die ich hier berichten möchte. Speziell das Handling des verwendeten Druckers, eines Canon Prograf Pro-1000 mit verschiedenem Papier, dem Farbauftrag, dem Druckertreiber und wie das alles zusammenspielt, ist ja ein wesentlicher Aspekt im analog-digitalen „Datei-zu-Papier“-Workflow.

Bereits bei den Druckern dieser Klasse ist mittlerweile die volle Breitseite digitaler und sensorischer Steuertechnik in einem Preissegment um die 1.000 Euro angekommen, womit die Geräte erschwinglich sind. Nicht nur, dass die verschiedenen Punktgrößen bei verschiedenen Druckgeschwindigkeiten unterschiedliche Farbaufträge erzeugen können und dass der Drucker dabei das Papier ansaugt, um entsprechend genaue Druckauflösungen erzeugen zu können. Nein, er erzeugt auch bei verschiedenen Untergründen unterschiedliche Farbgamuts. Das kann man tatsächlich in einem weiten Bereich einstellen. Gerade wer dabei eine Raster-Image-Prozessor-Lösung (RIP) wie Mirage einsetzt, aber auch wer mit dem Canon-Druckertreiber für Mac und PC arbeitet, kann auf geeignetem Papier ziemlich große Farbräume abbilden, die durch ICC-Profile mit entsprechender Messtechnik erzeugt, übertragen und umgesetzt werden können.

Beispielhaft ist der ICC-Farbraum des „Expression Pearl“-Papiers, das mit einem optimierten Papierprofil erstaunlich viel Tinte aufnehmen und einen weiten Gamut darstellen kann. Dies ist auch möglich für mattere Papiere, dabei spielt die Beschichtung der Oberfläche eine wichtige Rolle. Das ist echtes Hightech, wobei sich die Marktführer entsprechende Duelle liefern. Letztendlich ist es aber auch eine Frage des Geschmacks – wie präsentiert sich das Papier hinterher beim Hängen auf einem Trägermedium, wie gut kann man es beleuchten, gibt es Metamerie, hat der Träger eine Eigenfarbe oder ist er reinweiß usw. Wichtig ist auch eine konsistente Verarbeitungskette, also sowohl bei der Erzeugung der Bilddaten, der Farbraumtransformation in den Ausgabefarbraum und bei den Geräteprofilen, die aufeinander abgestimmt und möglichst weit ausgereizt werden müssen.

Zwar ist die Farbleistung von Fine-Art-Drucksystemherstellern wie Canon oder Epson heute schon im Standardzustand durchaus ansprechend. Aber es gibt „ungehobene Reserven“, an die man nur mit Einsatz, Nachdenken und entsprechendem Probenaufwand gelangt.

Über die optimale Nutzung von RAW-Daten mit entsprechender Ausgabe von durchgezeichnetem Histogramm und kompletter Nutzung von Tief- und Vierteltönen sollte jeder Profifotograf Bescheid wissen. Als Besonderheit der Bildausgabe für den Fine-Art-Druck ist jedoch immer eine möglichst weiche und „gefüllte“ Tonwertkurve anzustreben.

Den entsprechenden Kontrast und die gestalterische Wiedergabe kann man dann durch die Papierwahl, das ICC-Profil und die Treibereinstellungen (für den maximalen Farbauftrag) erreichen. Letztendlich ähnelt der Prozess dem klassischen Druck, wo man High-End-Ergebnisse durch geduldiges Feintuning und Erfahrung auf das im Farb- und Kontrastumfang begrenzte Substrat bringen konnte/kann.

Dabei nehmen einem die Papierhersteller einen Teil dieser Arbeit ab, falls man sich mit der Messtechnik mangels Messgerät nicht auseinandersetzen will oder kann. Die Marktführer wie Hahnemühle, Sihl, Photolux, Tecco u. a. bieten für ihre Papiere und gängige Fine-Art-Drucker entsprechende ICC-Profile zum Download an. Allerdings ist dann immer noch die Frage der Prozess- und Workflowkontrolle, der Softwarepflege und der richtigen Bedienung zu klären.

Das Wissen kann man z. B. bei Photolux in Schulungen „en bloc“ erwerben. Bei der Trial-and-Error-Methode „spart“ man möglicherweise die Schulungsgebühr, verballert aber dann vermutlich ein Mehrfaches für Geräte, Software und Verbrauchsmaterial bis man …


Lesen Sie weiter in


 

TIPA 2020