Die fünfte Ausgabe des Leipzig Photobook Festival
Die fünfte Ausgabe des Leipzig Photobook Festival widmet sich ab dem 7. März dem Thema „Power / Fragility“.
„Power” als politische Kraft, die Gesellschaften prägt, als ökonomische Dynamik, die Ungleichheiten vertieft, und als soziale Energie, die Gemeinschaften trägt. Macht kann physisch sein – sichtbar in Körpern, Architektur oder Naturgewalten – ebenso wie subtil und unsichtbar in Strukturen, Symbolen und Blicken. Sie zeigt sich in Widerstand und Emanzipation, in Technologiekontrolle oder in der Selbstermächtigung des Individuums. Dabei wird auch deutlich, wie toxisch Macht wirken kann, wenn sie zur Unterdrückung oder Manipulation missbraucht wird.
„Fragility“ erscheint dabei nicht bloß als Schwäche, sondern auch als Ausgangspunkt für Transformation. Aufbauend auf dem Konzept der Antifragilität (Nassim Nicholas Taleb) begreifen wir Instabilität und Störung als produktive Kräfte: Was zerbricht, eröffnet neue Perspektiven; was ins Wanken gerät, kann zu unerwarteter Erneuerung führen. Zwischen fragil, robust und antifragil entfaltet sich ein Spannungsfeld, in dem das Fotografische selbst auf dem Prüfstand steht.
Unter der Leitung und künstlerischen Konzeption von Calin Kruse und künstlerischer Co-Konzeption von Jenny Starick finden im Rahmen des Festivals zahlreiche Podiumsdiskussionen, Präsentationen, Gespräche, Fotobuch- und Fotoausstellungen, Filmvorführungen, Portfolio-Reviews, Projektionen, Workshops etc. statt.
Drei Highlights
Die schwedische Fotografin Lina Scheynius hat mit ihrem unverwechselbaren Blick auf Intimität, Körper und Nähe hat eine Bildsprache geprägt, die weit über die Kunstszene hinauswirkt und ihr eine große Anhängerschaft eingebracht hat. Trotz dieser internationalen Berühmtheit wird sie regelmäßig von Instagram zensiert oder heimlich blockiert – ein Vorgang, der nicht nur ihre Reichweite beschneidet, sondern auch die Machtverhältnisse digitaler Plattformen offenlegt. Im Rahmen der Fotoausstellung beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Macht eines Unternehmens vs. Linas Selbstermächtigung als Künstlerin: Ihre Arbeit zeigt, wie sich künstlerische Freiheit behauptet, selbst wenn sie an den Grenzen der Strukturen reibt.
Der indische Fotograf Arko Datto dokumentierte zwischen 2017 und 2020 die schwindenden Mangrovenwälder und steigenden Wasserspiegel der Sundarbans in Indien, wo 300 Millionen Bewohner des Deltas den täglichen Alptraum des Klimawandels erleben – Menschen, die am wenigsten dafür verantwortlich sind, aber seine Auswirkungen am stärksten spüren. Mit harten Blitzlichtaufnahmen bei Nacht erzeugt Datto eine surreale, beunruhigende Atmosphäre, die das Festivalthema perfekt verkörpert: die fragile Existenz von Gemeinschaften, deren Macht angesichts der Klimakrise schwindet, während sie gleichzeitig ihren Kampf um Überleben und Würde dokumentiert.
Beide Ausstellungen sind vom 7. März bis 2. April zu sehen und werden durch eine Ausstellungspublikation begleitet. Parallel zu diesen Shows sind die Fotobuchausstellungen „Aperture PhotoBook Awards“ und „Fragile Volumes – Das Fotobuch jenseits des Papiers“ zu sehen.
Für den 8. März, 14.00 Uhr, ist die Paneldiskussion „Framing the Fragility of Peace“ mit Antoine d’Agata (Fotograf), Emin Özmen (Fotograf) und Asle Olsen (Director des Nobel Peace Center) terminiert. Die Moderation übernimmt Andrea Holzherr (Magnum Photos). Auf Basis der langjährigen Zusammenarbeit zwischen Magnum und dem Nobel Peace Center wird diskutiert, wie visuelles Storytelling dazu beiträgt, globale Debatten über Menschenrechte, Gerechtigkeit und die Lebensrealitäten von Gemeinschaften, die von Krieg und Unterdrückung betroffen sind, zu prägen. Im Besonderen wird die Rolle von Bildern als Mittel zum Verständnis erörtert – sie offenbaren nicht nur die Brüche unserer Zeit, sondern auch die fragile Hoffnung, die dem Streben nach Frieden zugrunde liegt.
Das Leipzig Photobook Festival ist ein internationales Festival, dass das Potenzial des Mediums Fotobuch im zeitgenössischen Kontext stellt und zelebriert. Die Veranstalter möchten dabei unterhalten, anregen und den Blick auf Fotobücher verändern. Das Festival wird von dienacht e.V. veranstaltet, in Kooperation mit HALLE 14 – Zentrum für zeitgenössische Kunst.
Weitere Informationen zum Programm gibt es hier.