Desktop-Studios für Fotografen

Ob Videokonferenz, Präsentation, Pitch, Fotoworkshop oder Webinar: Online-Videoformate spielen eine zunehmend wichtige Rolle in der Kommunikation. Michael Marczok stellt drei Set-ups für das eigene Online-Studio vor.

Produktion: OBS Studio

Ob für Meeting-Plattformen wie Skype, Zoom, Microsoft Teams oder Live-Formate auf GoToWebinar, Facebook, YouTube, Vimeo etc. – das wichtigste Zubehör für Online-Präsentationen haben Fotografinnen und Fotografen meist im Schrank: die Kamera. Fast jede videofähige aktuelle Kamera kann als Webcam genutzt werden.

Dezidierte Webcams stellen ihr Bildsignal via USB-Port fix und fertig passend für die Online-Plattformen zur Verfügung. Sie haben meist ein fest eingebautes Weitwinkelobjektiv und werden am oder auf dem Notebook oder Bildschirm fixiert. Diese Kamera gibt bis zur 4K-Auflösung aus, wobei man ein Auge auf die vorhandene Bandbreite des WLAN haben muss. In der Regel reicht die FullHD-Auflösung völlig aus, da die Betrachter ja auch nicht immer 4K darstellen können. Der Bildsensor der Webcams ist klein, die Bildanmutung ist entsprechend flach.

Die bessere Alternative ist, die Digitalkamera als Webcam zu nutzen. Es könnte also auch eine DSLR, eine DSLM oder andere spiegellose Kamera sein. Vielleicht ist das dann ja der Anlass, das eigene Equipment zu modernisieren oder um eine Kamera zu erweitern. Der Vorteil liegt hier auf der Hand. Vorhandene Objektive und Zubehör könnten verwendet werden. Das Bildergebnis wird mit steigender Professionalität der Kamera und Größe des Sensors immer besser, immer „filmiger“, bis hin zur Hollywoodanmutung mit vielen Tonwerten, hoher Schärfe und selektiver Tiefenschärfe.

Wie ein schönes Licht auf eine Person gesetzt werden muss, wissen Fotografen. Das gilt generell auch für die Ausleuchtung eines Sprechers in Online-Formaten. Natürlich kann auch das Einstelllicht eines Studioblitzsystems mit allen dazu gehörigen Lichtformern genutzt werden. Leider haben diese Geräte oftmals Lüfter, welche die Tonaufnahme stören können. Das kann mit einem guten Mikrofon ausgeglichen werden, trotzdem ist ein Dauerlicht ohne Lüfter die bessere Wahl. Meistens handelt es sich um LED-Flächenleuchten. Oft sieht man eine Ausleuchtung mit zwei Lampen. In der Fotografie ist dieses „Zangenlicht“ verpönt. Für diesen Zweck kann es aber Sinn machen, wenn mit zwei Kameras aus zwei Winkeln aufgenommen wird.

Stative für Kameras und Licht sollten vorhanden sein. Ganz hilfreich könnten allerdings kleine Tischstative sein, um die Kamera in der Nähe des Computers, an dem man sitzt, zu platzieren. Ein unschönes Hin- und Herblicken zwischen Monitor und Kamera kann so vermieden werden.

Der gute Ton ist bei der Online-Eigenpräsentation, beim Workshop, kurz bei allen Online-Formaten, enorm wichtig. Niemand will sich ein Webinar oder Schulungsvideo anschauen, wenn der Ton verrauscht oder abgehackt rüberkommt. Es ist für eine gelungene Vorstellung nicht angeraten, das interne Computermikrofon oder das eingebaute Mikro der DSLR oder DSLM zu nutzen. Schon ein ganz einfacher Freisprechkopfhörer mit Mikro, wie er Smartphones beiliegt, erhöht die Sprachqualität enorm und mindert die Übertragung von Nebengeräuschen, wie von den Lüftern im Laptop oder in der Lampe. Nach oben gibt es fast keine Grenzen. Video-Mikrofone können natürlich auch für die Tonaufnahme bei Online-Präsentation genutzt werden. USB-Mikrofone für Podcaster und hochwertige Headsets eignen sich ebenfalls.

Alle Konferenz-, Workshop- oder Webinar-Programme benötigen ein Webcam-Videosignal. Möchte man eine DSLR oder DSLM nutzen, sind drei Wege möglich, um das aus dem HDMI-Anschluss der Kamera kommende Videosignal zu einem Webcam-Signal zu machen. Der einfachste und günstigste Weg geht über Webcam-Software, wie sie mittlerweile alle namhaften Kamerahersteller, wie Canon, Nikon, Panasonic und Sony, für ihre Kameras anbieten. Der Funktionsumfang beschränkt sich allerdings auf diese eine Aufgabe. Einen ähnlichen, allerdings hardwarebasierten Weg gehen die Webcam-Adapter: HDMI-Signal aus der Kamera rein in den Adapter, Webcam-Signal über USB raus aus dem Adapter.

Wer mehr möchte, zum Beispiel etwa eine flexible Lösung für den Einsatz von mehreren Kameras, der greift zu einem Produktions-Video-Mixer. Diese bieten programmierbare Effekte wie Überblendungen zwischen den Videoquellen, die Einbindung von Grafiken, z. B. „Bauchbinden“ am unteren Bildrand, Freistellungen und so weiter.

Die Einstiegsvariante

Der Einsteiger, der sich und seine Arbeit nur ab und zu online präsentiert, benötigt nur ein relativ kleines Investitionsbudget. So können z. B. Canon-User mit ihrer aktuellen DSLR- oder DSLM-Kamera via EOS-Webcam-Utility Anschluss an den Computer finden. Das Programm arbeitet unbemerkt im Hintergrund, Softwares wie Skype, Teams oder Zoom erkennen die Kamera als Webcam. Alle anderen großen Kamerahersteller …

 


Lesen Sie weiter in


 

TIPA 2020