Auf der Bühne zu Hause

Zwischen Performance und mächenhaften Inszenierungen: Lyonel Stief verdient sein Geld als Hochzeits- und Eventfotograf – unter anderem. Weitaus bekannter ist er für seine epischen Bildwelten, die er baut. Sein Wissen gibt der „Social-Media-Aktivist mit Rampensau-Gen“ in Workshops, Coachings und Videotutorials an Kollegen weiter. Von Peter Schuffelen.

Foto von Lyonel Stief

Darum gehts

Lyonel Stief hat schon einiges gemacht in seinem Leben – das meiste davon hat sich in irgendeiner Form auf der Bühne abgespielt. In seinem früheren Leben war er in der Cosplay-Szene unterwegs, später Mediendesigner, Choreograf, Tanzlehrer und Background-Tänzer, meist hielt er seine Aktivitäten auch fotografisch fest. „Irgendwann wollte ich nicht mehr ausschließlich performen oder Menschen in Szene setzen, sondern alles miteinander vereinen, deshalb bin ich zur inszenierten Fotografie gewechselt“, erklärt er und blickt zurück. Seine Entertainment-Wurzeln sieht man seinen exaltierten und mit viel Aufwand inszenierten Bildern immer noch an. Viele davon wirken, als ob die Gebrüder Grimm, Walt Disney und der dystopische Filmemacher Tim Burton gemeinsam eine Bildersause veranstaltet hätten. So zeigen seine Fotos weiß gekleidete Models in Wolken aus Kunststoff-Folien, sexy römische Legionärinnen vor historischem Gemäuer oder einen riesigen, auf den Kopf stehenden Weihnachtsbaum, den er buchstäblich zum Nadelkleid umfunktioniert hat. Kennzeichnend für Lyonels Handschrift sind aufwändige Licht-Settings und Special Effects, die der „Nebelbändiger“ und Freestyle-Make-up-Artist mit Nebelmaschinen, ausgefallenen Requisiten, exaltierten Make-ups sowie abgefahrenen Stylings auf die Spitze treibt. Das gefällt vielleicht nicht jedem – aber ziemlich vielen. Weshalb sich der 29-Jährige über Nachfrage für seine Web-Tutorials, Einzel-Coachings und Workshops, in denen er seine fotografischen, lichttechnischen, inszenatorischen Kenntnisse und sein Postproduktionswissen an interessierte Kollegen weitergibt, nicht beklagen kann.

Das steckt dahinter

Lyonel startete 2009 mit kleineren Aufträgen für Privat-, später auch für Geschäftskunden. Heute macht die klassische Unternehmensfotografie mit dem Schwerpunkt auf Portraits und Events wie Meetings und Konferenzen ein Drittel seines Geschäfts aus, ein weiteres Drittel bilden Aufträge von Privatkunden, vornehmlich Hochzeiten, aber auch Auftragsarbeiten im Beauty- und Fantasybereich. Das letzte Drittel bilden Workshops und Coachings. An seinen Shooting-Workshops, die in seinem Studio in Wiesbaden stattfinden und in denen es um Themen wie den effektvollen Einsatz von Nebel, das Inszenieren von „crazy styles“ oder Licht-Settings für Einsteiger oder Fortgeschrittene geht, nehmen meist um die zehn Teilnehmer teil. Der Altersschnitt liegt bei etwa 40 Jahren, der Preis bei 250 bis 300 Euro.

Für ein achtstündiges Einzel-Coaching, das auf Wunsch auch als Duo-Coaching durchgeführt werden kann, veranschlagt er 950 Euro, ein vierstündiges Coaching kostet 500 Euro. „Für diese Einzel-Coachings, zu denen sich sowohl Voll- als auch Teilzeit-Fotografen anmelden, erstelle ich individuelle Lernpläne, deren Inhalte ich vorher per Kontaktformular abfrage und dann nochmals im telefonischen Vorgespräch ausarbeite. Meist liegen die Interessenschwerpunkte auf Themenfeldern wie Regieführung oder Licht“, sagt Lyonel, der seine Stärken diesbezüglich …


Lesen Sie weiter in


 

TIPA 2020