360°-Panos mit Monopod

Sie möchten für virtuelle Rundgänge, für Facebook oder Google Streetview 360-Grad-Fotos machen – aber der Aufwand war Ihnen bislang zu hoch? Dieser Beitrag von Tilo Gockel kann Ihnen helfen, Zeit zu sparen.

Anewdnungsbeispiel 360-Grad-Panorama.

Die Motivation

Viele Gewerbetreibende nutzen die Möglichkeit, dem Kunden per virtuellem Rundgang bereits im Webbrowser einen visuellen Eindruck vom Geschäft, Restaurant oder Studio zu geben und integrieren hierfür eine eigene Lösung auf der Website (bspw. per Pano2VR) oder betten ihre Bilder bei Google Streetview ein. Stets ist die Voraussetzung ein hochauflösendes Rundum-Panorama, welches 360° in der Breite und 180° in der Höhe abdeckt. Action Cameras wie die Insta360, die GoPro Hero7 oder die Ricoh Theta Z1 sind zwar in der Lage, solche Panos aufzunehmen, sie liefern aber nicht für alle Anwendungen die gewünschte Qualität und Auflösung. Wer nun versucht, solche Panos mit der Systemkamera und dem Weitwinkelobjektiv zu erstellen, könnte enttäuscht werden. Zum einen ist die Anzahl der notwendigen Bilder hoch, zum anderen werden wahrscheinlich viele Stitchingfehler auftreten – viele Einzelbilder bedeuten viele Anschlussstellen.

Wie man die Aufnahme einfacher und robuster gestalten kann und dabei auch noch ohne einen aufwändigen Pano-Adapter auskommt, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Das Objektiv und die Kamera

Für Rundum-Panoramen sollte man ein Objektiv mit einem möglichst großen Bildwinkel verwenden. Zwar kommen auch klassische Weitwinkelobjektive in Betracht, aber so richtig Freude kommt erst mit einem Fisheye-Objektiv mit einem Bildwinkel von größergleich 180 ° auf. Diese speziellen Konstruktionen bilden senkrecht zur optischen Achse stehende Ebenen nicht mehr proportional ab – Geraden außerhalb der Bildmitte erscheinen gekrümmt. Dafür geben sie Flächenverhältnisse und radiale Abstände getreuer wieder als herkömmliche Weitwinkeloptiken. Ein verbreiteter Trick war früher, bei Fisheyes wie dem Nikkor 10.5 DX die fest verbaute Gegenlichtblende abzusägen oder von einer Werkstatt „rasieren“ zu lassen, um einen möglichst großen Winkel ohne Abschattung zu erfassen. Mittlerweile sind solche mutigen „Hacks“ aber nicht mehr notwendig. Hersteller wie Samyang, Walimex und Sigma haben den Trend erkannt und bieten die Fischaugen nun mit abnehmbarer Gegenlichtblende an.

Wir haben für unsere Experimente das von Google für Streetview-Panos empfohlene Sigma 8 mm F3,5 EX DG Zirkular Fisheye verwendet. Wichtig ist bei diesem Glas, dass man für die Fotos nicht nur den Objektivdeckel, sondern auch die komplette Gegenlichtblende abnehmen muss. Weiterhin sollte man das Objektiv an einer Vollformatkamera verwenden, denn nur dann macht es keinerlei Unterschied mehr, ob man die Kamera hochkant oder quer betreibt (siehe Abbildung oben).

Die Mechanik

Für hochwertige, gut fusionierbare Panoramaaufnahmen ohne Parallaxenfehler sollte man die Kamera möglichst exakt im Nodalpunkt drehen. Die hierfür erhältlichen Panoramaköpfe bzw. Nodalpunkt-Adapter ermöglichen das Verschieben und Verschwenken in mehreren Freiheitsgraden, aber sie sind klobig, umständlich in der Handhabung, teuer und setzen ein Stativ voraus. Tatsächlich können wir dank schlauer Komponentenwahl auf einen Großteil der Flexibilität verzichten. So trägt die verwendete Sony Alpha 7 III das Stativgewinde auf der optischen Achse. Das spart den Freiheitsgrad nach links oder rechts. Weiterhin betreiben wir die Kamera nicht panoüblich im Hochformat, sondern im Querformat. Dieser Kniff spart uns die sonst notwendige „L-Bracket“-Mechanik ein. Abschließend bleibt nur noch die Verschiebung längs der optischen Achse in den Nodalpunkt …

 


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