Straßenfotografie daheim

Unter dem Namen „A day in the life“ verbindet die niederländische Street-Fotografin Karlynne Wintels Familienfotografie mit Storytelling.

Wintels findet in Singapur zur Streetphotography

Darum geht’s

Karlynne Wintels Geschichte ähnelt der vieler fotografischer Quereinsteiger. Und wie so häufig, wenn es um berufliche Neuorientierungen geht, war die Covid-Pandemie dabei ein Katalysator. 2020 lebt die junge Niederländerin in Singapur, sie ist gerade zum zweiten Mal Mutter geworden und arbeitet im Büro eines Modeeinzelhandelsgeschäfts. Sie nimmt eine Mutterschaftsauszeit, direkt darauf folgt der Pandemie-Lockdown – und sie verliert ihren Job. Wintels, die sich schon immer für Fotografie begeistert hat, entschließt sich, einen einjährigen Fotokurs zu absolvieren und lernt dort viel über die richtige Aufnahmetechnik. Die kreative Praxis sucht und findet sie in den Straßen Singapurs. Das ist ihr Weg zur Streetphotography, ein Genre, das sie schon fasziniert hatte, als sie den Begriff noch gar nicht kannte.

Wintels lernt die „Women in Street“-Fotocommunity kennen, sie hilft, Veranstaltungen und Ausstellungen zu veranstalten. Doch als sie mit ihrer eigenen Straßenfotografie durchstarten will, erkranken ihre Kinder. „Ich musste zu Hause bleiben und war entsprechend frustriert. Dann aber hatte ich die Idee, die typisch situative Streetfotografie-Herangehensweise auf mein Zuhause und meine Familie zu übertragen“, sagt Wintels. Sie beginnt, ihre Kinder und ihren Ehemann zu fotografieren und konzentriert sich dabei bewusst auf die Momente zwischen den Ereignissen. So, sagt sie, entsteht ein intimes Storytelling, auch weil die Kinder irgendwann vergessen, dass sie fotografiert werden. Wintels zeigt die Bilder ihrem Lehrer, der ist angetan, ebenso wie ihre Freunde, die sie bitten, ihre eigene Familie zu fotografieren: Das Geschäftsmodell „A day in the life“-Fotografie ist geboren.

Das steckt dahinter

„A day in the life“ ist genau das, was der Name suggeriert: Es geht darum, einen normalen Tag im Leben einer Familie zu dokumentieren – möglichst ungestellt und authentisch, also ohne Regieanweisungen. „Im Grunde ist es wie in der Streetphotography“, sagt Wintels. Das Konzept geht auf, bereits kurze Zeit später hat sie erste Kunden, vor allem unter den „Expats“ – den aus Arbeitsgründen vorübergehend in Singapur Eingewanderten, zu denen sie …

 


 

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