Fotografin Sigrid Neubert ist gestorben

Nur wenige Tage nach Eröffnung ihrer bisher größten retrospektiven Ausstellung ist am vergangenen Samstag die Münchner Fotografin Sigrid Neubert im Alter von 91 Jahren in ihrem Alterssitz nahe Berlin verstorben.

Neubert zählte zu den herausragenden Architekturfotografen der Nachkriegszeit, arbeitete über 30 Jahre intensiv mit den bedeutendsten deutschen Architekturbüros und prägte wie keine andere mit ihren markanten Schwarz-Weiß-Aufnahmen das Bild der modernen Architektur in der Bundesrepublik. Geboren 1927 in Tübingen, erhielt sie ihre Ausbildung als Fotografin von 1948 bis 1954 an der Staatslehranstalt für Lichtbildwesen in München. Neubert arbeitete über fünf Jahrzehnte in München. Zunächst als Werbefotografin tätig, spezialisierte sie sich in den 1950er Jahren auf Architekturfotografie. Seit den 1970er Jahren erweiterte sie ihr Œuvre um eindrucksvolle Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete.

Durch ihre intensive Beschäftigung mit den fotografierten Bauwerken entwickelte Neubert einen eigenen fotografischen Stil, mit dem sie das Wesen der Bauwerke zu erfassen vermochte. Strukturen arbeitete sie durch starke Kontraste heraus und schon früh band sie Bewohner, Natur und Umgebung ein. Das konnte ihren Bildern eine große Leichtigkeit verleihen. Eng arbeitete die Fotografin mit zahlreichen herausragenden Architekten der Nachkriegs- und Spätmoderne zusammen: Kurt Ackermann, Walther und Bea Betz, Hans-Busso von Busse, Alexander von Branca, Herbert Groethuysen, Hans Maurer und Paul Stohrer gehörten ebenso zu ihren Auftraggebern wie die Österreicher Franz Riepl, Gustav Peichl und Karl Schwanzer. Für letzteren schuf sie 1970 – 1973 jene ikonischen Aufnahmen des BMW-Hochhauses (Foto oben), die in ihrer Prägnanz bis heute beispiellos sind.

Ihr fotografisches Talent wurde schon früh erkannt. Eine ihrer experimentellen Arbeiten zeigte bereits 1953 das Museum of Modern Art in New York in der Ausstellung European Postwar Photography. Aktuell stellt die Alf Lechner Stiftung im Lechner Museum Ingolstadt und in Obereichstätt bis zum 10. Februar 2019 die große Retrospektive Architektur und Natur aus. Die Ausstellung umfasst 230 ihrer wichtigsten Architektur- und Naturaufnahmen.

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