Die Gewinner des Hasselblad Masters 2026
Hasselblad hat aus 70 Finalisten aus aller Welt die sieben Gewinner des Wettbewerbs Hasselblad Masters 2026 ausgewählt.
Die Gewinner wurden aufgrund ihrer technischen Meisterschaft und ihrer starken persönlichen Bildsprache zu den nächsten Hasselblad Masters ernannt.
Der Hasselblad Masters zählt zu den renommiertesten professionellen Fotowettbewerben weltweit und wurde ins Leben gerufen, um kreative Exzellenz zu feiern und etablierte sowie aufstrebende Talente aus aller Welt zusammenzubringen. In diesem Jahr gingen beim Wettbewerb mehr als 108.000 Bildeinsendungen von Fotografen aus 160 Ländern und Regionen in sieben Kategorien ein: Landschaft, Architektur, Porträt, Kunst, Street, Wildlife und Project//21.
Die Finalisten wurden von der Hasselblad Masters Grand Jury bewertet. Dabei wurde die öffentliche Abstimmung als Teil des gesamten Bewertungsprozesses berücksichtigt. Die Grand Jury wählte in jeder Kategorie einen Gewinner auf Grundlage von Konzeptstärke, Originalität, Kreativität und technischer Exzellenz aus. Die sieben Ausgezeichneten erhalten den Titel „Hasselblad Master“, werden Teil der renommierten Gemeinschaft bisheriger Masters und tragen diese Auszeichnung während ihrer gesamten Laufbahn. Sie erhalten eine Hasselblad Mittelformatkamera mit 100 Megapixeln, zwei XCD Objektive und einen Kreativfonds in Höhe von 5.000 Euro. Zudem nehmen sie an einem gemeinsamen Projekt mit Hasselblad teil. Dabei werden ihre Arbeiten im Hasselblad Masters Bildband sowie über die globalen Kanäle von Hasselblad präsentiert.
Die Gewinner
Kunst
Abfallkolonialismus (Sapi-Sapi Piyungan) | Yudha Kusuma Putera | Indonesien
Im Alltag verwurzelt und von dessen Komplexität inspiriert, richtet Yudha Kusuma Putera einen aufmerksamen Blick auf gesellschaftliche Themen, die unmittelbar vor unseren Augen verborgen bleiben – und erkundet die Spannungen zwischen Mensch, Natur und den Systemen, die wir um uns herum erschaffen.
Die ausgezeichneten Aufnahmen sind Teil eines Projekts, das untersucht, wie Industrieländer ihren Abfall in Entwicklungsländer exportieren, wo Arbeits- und Betriebskosten niedriger sind. Diese Logik wiederholt sich auch im kleineren Maßstab: Innerhalb von Städten werden Deponien am Stadtrand errichtet, fernab des Blickfelds und des Bewusstseins. Auf der Deponie Piyungan in Yogyakarta wird der Abfall einer Stadt von Müllsammelnden sortiert und von Kühen gefressen, während er sich still zu einem zweiten Hügel auftürmt. Er fotografierte die dicht an dicht gedrängten Rücken dieser Kühe, deren Formen die sie umgebende Mülllandschaft widerspiegeln. Die Arbeit zielt nicht darauf ab, Schuld zuzuweisen, sondern lädt zu einer gemeinsamen Reflexion über den Abfall ein, den wir produzieren, und über die Zukunft, die wir daraus gestalten.
Architektur
Tagschläfer | Movieland|Kevin Boyle|Kanada
Kevin Boyle wurde von den weiten Himmeln und den eng verbundenen Gemeinschaften der kanadischen Prärien geprägt. Nach dem Verlust seines Vaters kehrte er nach Hause zurück – nur um festzustellen, dass die Orte, die er einst kannte, ausgehöhlt und verstummt waren, ihre Versammlungsstätten vernagelt und dem Verschwinden überlassen. Seit über zehn Jahren ist seine fotografische Reise eine tiefgründige Hommage an die verlassene Architektur lokaler Gemeinschaften Nordamerikas.
Die ausgezeichnete Serie besteht aus fotografischen Montagen, bei denen jeder Teil des Gebäudes mit Taschenlampen ausgeleuchtet und in der Postproduktion zusammengeführt wurde, um ein ätherisches „Porträt“ einst bedeutender Begegnungsorte zu schaffen. Durch sein Objektiv werden diese vergessenen Orte zu lebendigen, leuchtenden Symbolen gemeinschaftlichen Erbes und geteilter menschlicher Verbundenheit.
Landschaft
Vergängliche Visionen|Rohan Reilly|Irland
Verankert in der Disziplin eines Komponisten, lösen Rohan Reillys Bilder jede Komplexität auf und offenbaren das Wesentliche — Textur, Tonalität und Stille. Seine charakteristische Langzeitbelichtungstechnik verwandelt bewegtes Wasser und ziehende Wolken in seidenartige Flächen, während großzügiger Negativraum und geringe Sättigung seinem Werk eine poetische, meditative Qualität verleihen, die über reine Dokumentation hinausgeht. Der Prozess ist geprägt von Geduld und Vorbereitung: dem Studium von Wettermustern, der Rückkehr Saison für Saison und dem Warten auf jene präzisen Bedingungen, die sich nicht herstellen lassen, sondern nur verdient werden können.
Diese ausgezeichnete Serie zeigt eine Reihe von Pappeln entlang der Ufer des Flusses Po in Italien – natürliche Schutzbarrieren gegen Überschwemmungen, die nun in vollkommen stillem Wasser stehen, umhüllt von sanftem, diffusem Licht. Was einst eine rein funktionale Landschaft war, verwandelt sich in etwas Surreales und Traumhaftes. In dieser still und doch atemberaubenden Szene findet die Vision des Fotografen ihren vollendeten Ausdruck: Natur, auf ihr Wesen verdichtet, und Zeit, für einen Augenblick angehalten.
Project//21
Bewohner der Nacht|Panitbhand Paribatra Na Ayudhya|Thailand
Panitbhand Paribatra Na Ayudhya ist ein junger Unterwasserfotograf und Taucher aus Thailand. Seine Arbeit wurzelt in einer stillen Hingabe an den Ozean, in der er dessen Leben, seine Zerbrechlichkeit und die ihn erhaltenden Ökosysteme dokumentiert, in der Hoffnung, dass das, was er durch seine Linse sieht, nicht in Vergessenheit gerät.
Die ausgezeichnete Serie wurde in den Gewässern von Anilao auf den Philippinen aufgenommen, wo pelagische und larvale Meereslebewesen jede Nacht aus der Tiefe aufsteigen, um sich unter dem Schutz der Dunkelheit zu ernähren. Durch die Verwendung langer Verschlusszeiten, um die elegante Bewegung der Motive einzufangen, und durch eine sorgfältig gewählte farbige Beleuchtung, die ihre Form und Schönheit offenbart, erhellt der Fotograf eine selten gesehene Welt. Für die Nasenmuräne erzeugt ein diffuses, warmes Licht den Eindruck eines subtilen Sonnenuntergangs hinter dem Motiv – und krönt sie so zur Meisterin der Nacht. Manche dieser Lebewesen verbringen ihr gesamtes Leben im offenen Ozean, was das pelagische Ökosystem ebenso fragil wie außergewöhnlich macht.
Porträt
Otherness|Svetlana Jovanovic|Niederlande
Mit einem Hintergrund in Psychologie ist Svetlana Jovanovics Porträtkunst von einer tiefen Neugier auf Identität geprägt – darauf, wie wir die Welt erleben, unser Selbstbild formen und uns durch die Augen anderer sehen. Ihr Stil vereint künstlerische Porträtfotografie mit einem Bekenntnis zur visuellen Schönheit, getragen von der Überzeugung, dass Konzeptuelles und Ästhetisches untrennbar miteinander verbunden sind: Eines verleiht dem anderen Bedeutung.
Die ausgezeichneten Bilder sind Teil von Otherness, einem fortlaufenden Langzeitprojekt, das eineiige Zwillinge und das Spannungsfeld zwischen gemeinsamer Identität und individueller Präsenz erkundet. Obwohl Zwillinge so vieles teilen, stehen die kleinen Unterschiede, die sich mit der Zeit herausbilden – die subtilen Wege, auf denen der Charakter jeder einzelnen Person im gemeinsamen Bild sichtbar wird –, im Zentrum der Arbeit. Jedes Porträt ist eine Zusammenarbeit, geprägt ebenso von der Beziehung zwischen den Zwillingen wie von der eigenen fotografischen Vision, und lädt Betrachtende dazu ein, darüber nachzudenken, wie wir uns selbst definieren – sowohl unabhängig voneinander als auch im gegenseitigen Bezug.
Street
Morgenritual|Gosse Bouma|Niederlande
Gosse Bouma ist ein Fotograf, dessen Arbeit von einem stillen Bestreben angetrieben wird: Momente der Ruhe in einer Welt zu bieten, die selten zur Ruhe kommt. Sein unverwechselbarer Stil liegt im Schnittpunkt von urbaner Geometrie und natürlichen Elementen, indem er die harten Linien der Architektur mit den weichen, unvorhersehbaren Texturen des Wetters verbindet. Jedes Foto ist von der Absicht durchdrungen, inmitten des Chaos des Alltags Ruhe und Gelassenheit zu vermitteln und visuelle Erlebnisse zu schaffen, die zur Stille und Besinnung einladen, und sei es auch nur für einen flüchtigen Moment.
Die ausgezeichnete Serie entstand in verschiedenen Orten in den Niederlanden und richtet den Blick auf den Straßenmarkt: ein Ort, an dem Menschen aller Altersgruppen und Herkünfte zusammenkommen, ein paar Worte wechseln, Herzlichkeit teilen und weiterziehen. Indem Bouma diese kleinen, ungehetzten Begegnungen einfängt, bewahrt er etwas, das im heutigen Leben immer seltener wird: ein echtes Gefühl der Zusammengehörigkeit.
Wildlife
Der Wald, den ich durchstreife|Alfred Minnaar|Südafrika
Alfred Minnaars kreativer Prozess beginnt oft mit Beobachtung und Geduld. Statt seine Motive lediglich zu dokumentieren, versucht er, ihr Verhalten, ihren Lebensraum und ihre Beziehung zum umgebenden Ökosystem zu verstehen. In über einem Jahrzehnt weltweiter Erkundungen hat sich seine Fine-Art-Philosophie von der Leidenschaft eines Reisenden zu einer kraftvollen Stimme für den Naturschutz entwickelt; sie hält flüchtige Geschichten aus der Tiefsee und der Tierwelt fest, um zum Schutz unseres Planeten zu inspirieren.
Die ausgezeichneten Aufnahmen zeigen einen winzigen Grundel-Fisch, der zwischen Korallen lebt, und wurden geschaffen, um unsere Wahrnehmung von Größenverhältnissen zu hinterfragen und Betrachtende dazu einzuladen, genauer hinzusehen. Anstatt sich ausschließlich auf den Fisch zu konzentrieren, wollte der Fotograf ihn als Bezugspunkt in einer weitaus größeren Welt nutzen. Indem die Grundel in ihrer Umgebung inszeniert wird, wird das Riff selbst zum Motiv und lädt Betrachtende dazu ein, seine Weite aus der Perspektive eines seiner kleinsten Bewohner zu imaginieren.