Ist Fotografie noch ein Beruf?
Stefan Steib macht sich Gedanken über einen (Handwerks-)Beruf, der im Zeitalter von KI vor immer neuen Herausforderungen steht.
Wer heute Kontakt zu Kollegen meines Alters pflegt (was ich gut und gerne im PIC Verband tue), der hört immer wieder eine gewisse Abgeklärtheit, Professionalität, aber eben auch Ernüchterung nach vielen Jahren im Umgang mit Kunden, Agenturen, Verlagen, Industriefirmen usw. heraus. Das ist für so alte Haudegen nichts Schlechtes, und so wie früher die Gladiatoren, die das Spiel lange überlebt hatten, sind diese Geschichten und Erfahrungen ja auch etwas Gutes und Wertvolles. Wir haben im PIC auch einiges frisches, junges Blut von Fotografinnen und Fotografen, die gerade am Anfang stehen, ihren Stil und ihr Spezialgebiet gerade finden oder tatsächlich schon gefunden haben. Das bringt schon eine ganze Menge für so einen Saurier wie mich, zu sehen, wie das mit unserem so schönen Beruf weitergehen wird.
Keine Frage, ich mache das immer noch gerne – auch wenn ich aus der täglichen Produktion schon raus bin –, 24/7-Fotograf ist man, man „arbeitet“ das nicht. Alle Kollegen, die jahrzehntelang meist ihr ganzes Leben mit Bildern verbracht haben, lieben das, würden am liebsten nichts anderes tun. Trotzdem mussten einige damit aufhören, es sind einfach wirtschaftlich schwierige Zeiten. Aber selbst dann fotografieren sie weiter, dann eben privat, wahrscheinlich noch bis zum letzten Atemzug – damit hört man nicht auf. Zu sehen, zu verstehen, zu fühlen und das dann einfangen zu wollen – und zu können –, das macht tatsächlich glücklich.
Der Beruf ist immer komplexer geworden. Hatte man früher nur zu fotografieren, zu gestalten und eventuell bei großen Produktionen auch zu managen, waren alle anderen Teilbereiche separate Berufe. Stylisten, Locationfinder, Produktionassistenten, Produktioner und Productmanager aus den Agenturen und den Firmen, Bildbearbeiter, Druckvorlagenhersteller … Das war eine lange Liste von Verantwortung, Zuarbeiten, Terminen bis hin zu einem Endprodukt, meist ein Druck, eine Anzeige oder Publikation.
Vieles von dem ist heute wie ein zu heiß gewaschenes 4-Mann-Zelt, das …
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