Silbersalz35: Aus Liebe zum Film

Das gemischte Filmpack von Silbersalz wiegt schwer. Es kommt per Post im edel-schwarzen Luftpolsterbeutel. Massiver Kunststoff mit transparentem Deckel und schwarzem Boden, die Wortmarke SILBERSALZ35 mit dem angeschnittenen zweiten „S“ elegant eingeprägt. Die Packung wird mit einer Banderole zusammengehalten, die verrät: Das Produkt ist wahrer Kinofilm. „Made with love.“

vier Kodak-Vision3-Emulsionen von Silbersalz

Im Container stecken vier gelbe Rollen Film, markiert mit 050D, 200T, 250D und 500T. Die junge Firma aus Stuttgart bietet vier verschiedene Emulsionen des Kodak-Vision3-Kino-Farbnegativfilms für Fotografen an, inklusive Verarbeitung.

Kinofilm ist mit einer schwarzen, aus Carbon bestehenden Rückschicht ausgestattet, dem sogenannten Remjet-Layer. Sie wird nötig, weil der Film in Kinokameras nicht auf einer dunklen Rückwand aufliegt und Spitzlicht-Spiegelungen durch die Schicht zurückreflektiert werden. Dies macht einen Prozess nötig, der den Remjet-Layer vor der eigentlichen Entwicklung entfernt. Würde man Kinofilm im normalen C41-Farbnegativprozess entwickeln, gelangten die gelösten Carbonpartikel direkt in den Entwickler und würden ihn unbrauchbar machen.

Silbersalz35 vier Filme in Packung

Die Filme werden in einem massiven Behälter verschickt

Silbersalz entwickelt mit dem wesentlich komplexer und präziser arbeitenden Eastman-Color-Negative-(ECN2)-Prozess, der die Schicht zunächst problemlos entfernt. Der Filmanbieter Cinestill entfernt den Remjet-Layer des Kodak-Materials vor dem Verkauf, sodass die 800TUNGSTEN- und 50DAYLIGHT-Filme direkt in C-41 verarbeitet werden können. Lichtquellen bekommen auf diesen Filme einen charakteristisch überstrahlten Halationslook – der durchaus gewollt sein kann.

Als Oskar Barnack 1914 in Wetzlar seine „Mikro-Lilliput-Kamera“ konstruierte, entschied er sich für die Verwendung des vergleichsweise günstigen Kinofilmmaterials. Auch einige Regisseure wie Quentin Tarantino bevorzugen Zelluloid. Sein Kameramann Robert Richardson drehte „Once Upon a Time in Hollywood“ auf Kodak-Vision3-200T- und -500T-Kunstlichtfilm, bei Tageslichtaufnahmen korrigierte ein Orangefilter die Farbtemparatur. Auch Christopher Nolans „Dunkirk“ und Sam Mendes‘ Bond 24, „Spectre“, wurden mit dem Material gedreht.

Da beim Film das Wetter und andere Bedingungen nicht perfekt kontrollierbar sind, wurden schon seit den 1960er-Jahren Filmmaterialien eingesetzt, deren Belichtungsspielräume mit unseren heutigen RAW-Dateien vergleichbar sind. Beim Dreh stand den Kameraleuten ein Spielraum von 16 Blenden zur Verfügung. Dies ermöglichte, die einzelnen Komponenten des Films im Schneideraum und Labor optimal aufeinander abzustimmen. Dies gilt auch für Kodak Vision3 und die vier Silbersalzfilme. Das Material ist für das Scanning optimiert, wirkt auf den ersten Blick sehr flach und bietet einen großen Dynamikumfang für die Verarbeitung in Adobe Photoshop Lightroom oder ähnlichen Programmen.

Silbersalz-Mitbegründer Thomas Bergmann arbeitete als Kameramann und drehte Werbe-Kampagnen, analog wie digital. Vor vier Jahren stieß ein Nachwuchskameramann zum Team, der sich eine Aaton-16-mm-Kamera als Wandschmuck gekauft hatte. Das war Anlass genug für Thomas Bergmann, ein paar Rollen Film zu besorgen und den jungen Mann zur Blauen Stunde an den Strand zu schicken. Die Ergebnisse lösten Erstaunen und Begeisterung aus. Es waren Looks dabei, die auch neue Arri-Alexa-Digitalkameras nur schwer generieren konnten. Da es in Deutschland keine Infrastruktur mehr für Entwicklung und Scanning gab, mussten die Filme zur Verarbeitung in die Filmmetropole London geschickt werden. Aber den Kunden, die es gewohnt sind, jederzeit Videos mit ihren iPhones drehen zu können, war die wochenlange Wartezeit bis zur Materialsichtung auf Dauer nicht zumutbar.

Konsequenterweise fiel die Entscheidung, ein eigenes Labor aufzubauen. Hilfreiches Know-how lieferte ein Veteran aus Bad Honnef, selbst dreißig Jahre Laborbetreiber, der genug Ideen im Kopf und Einzelteile im Keller hatte, um Silbersalz den Start zu erleichtern. So wuchs im Stuttgarter Süden ein feines, kleines Labor um „Emma“, die Entwicklungsmaschine, von der Größe dreier Waschmaschinen an. Kodak liefert Filme und Chemie und…

 


Lesen Sie weiter in


 

TIPA 2020