Zwischen den 50er und 90er Jahren streifte sie mit ihrer Rolleiflex durch die Straßen von New York und Chicago, fotografierte Passanten, Händler, Taxifahrer, Liebespaare und Obdachlose, Arme und Reiche, Erwachsene und Kinder. Dabei entwickelte sie eine außergewöhnliche kompositorische und interpretatorische Kraft. „Sie machte ständig Fotos und zeigte sie niemandem“, schreibt Maloof, der bekennt, zum Zeitpunkt des Ankaufs nicht einmal gewusst zu haben, was „street photography“ ist. Inzwischen bedauert er zutiefst, dass er Maier mit Rücksicht auf deren angeschlagene Gesundheit nicht mehr vor ihrem Tod 2009 besucht hat. Er editiert ihr fotografisches Vermächtnis und veröffentlicht die Bilder in seinem „Vivian Maier“-Blog. Dass es der Fotografin nicht um pure Dokumentation, sondern um ihre ganz persönliche Weltanschauung ging, zeigt sich in dem erstaunlich häufigen Gleichklang von augenblicklicher Bildkomposition und szenischer Momentverdichtung, die einige Kritiker zu Vergleichen mit großen Straßenfotografinnen wie Diane Arbus, Helen Levitt oder Lisette Model animierte. Neben Maloof hält auch die Vivian Maier Prints Inc., die aus einer anderen Quelle rund 12.000 Negative, 700 Prints, 20 Filme und zahlreiche Diapositive aus den 1950er bis 1970er Jahren aufkaufte, das Mayersche Oeuvre auf trait. Das unverschämte Zitat stammte von der Berliner Fotografin Edith Held, die für Dummy gleich mehrere visuelle „Blanco- Schecks“ ausstellte: Roberto als Obama, Muhammed Ali, kiffender Bob Marley, Gangsta-Rapper 50cent und Grinsebacke Stevie Wonder. Doch Held, deren Fotografenvertretung Kelly Kellerhoff damit wirbt, dass die Models der anspruchsvollen Fotografin „auch schon mal vom reinen Posing Muskelkater bekommen“, kann auch ganz unlustig, wie ein Blick auf ihre Seite zeigt. Neben plakativen Celebrity-Strecken über Alexandra Maria Lara, Wotan Wilke Möhring oder Benno Führmann, perfekt postproduzierten Montagen und hochinszenierten Unterwäsche-Shots im Highgloss-Look setzt die Berlinerin auch Kinder ins Bild. Auch hier überlässt Held, zu deren Kundenstamm Unternehmen wie Sony, Pussy de Luxe, Wella, RTL oder SAT1 gehören, nichts dem Zufall. Die Kleinen, mal romantisch, mit Seifenblasen, mal tolpatisch-niedlich, dann wieder rotzfrech-frühpubertär werden bildsprachlich behandelt wie Erwachsene. Keine Frage, der Look ist perfekt, aber auch ein wenig befremdlich – und tendiert gelegentlich gar ins Lolitahafte. www.edith-held.de
, www.kellykellerhoff.de
ihrer Website hoch. Bis zum 28. April sind mehr als 80 Werke in der Hamburger Galerie Hilaneh von Kories zu sehen. Ein eindrückliches Beispiel dafür, dass es Menschen gibt, die von ihren Bildern leben – und ein paar wenige, die für sie leben.
www.vivianmaier.blogspot.com
www.vivianmaierphotography.com
www.galeriehilanehvonkories.de


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