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Webscouts Liebling. Judy Starkman

Neben eindringlichen Portraits und Short Movies hat der Webscout diesmal vor allem extraordinäre Fotobücher im Visier – von Electropopper Moby und Ex-Porno-Star Sasha Grey. Biopics, die unter die Haut gehen Fotografen sind keine Filmer. Aber sie können welche werden. Judy Starkmann ist jetzt schon beides, setzt freie fotografische und filmerische Projekte um, produziert Werbefilme – und beides ausgesprochen gut. Die Kalifornierin, Tochter eines Chirurgen und fanatischen Super-8-Filmers, zeigt auf ihrer Seite ein halbes Dutzend außergewöhnlicher Portfolios. Diesen stellt sie in der Abteilung „Video“ meist einen gleichnamigen Clip zur Seite, mal mehr als Teaser für die Fotografien, mal als eigenständige Ultrakurzgeschichte.

www.judystarkman.com | www.thesecretlifeofswimmers.com

Starkman lotet die Stärken beider Medien aus, filmt, wo das Bewegtbild mehr kann, fotografiert, wenn das Still mehr zu sagen hat. Einzelne Motive hat sie offenbar aus den Videos entnommen, die – das lässt der Kino-Look vermuten – mit einer DSLR gedreht sein dürften.

Wie sehr ihr filmischer Blick auch beim Fotografieren durchschlägt, zeigt sich besonders deutlich in „Places“. Menschenleere Landschaften, Zweck- und Industriebauten, urbane Strukturen in ihrer ganzen Sonderbarkeit sind da zu sehen; fast zwangsläufig denkt man an Stephen Shore und seine „Uncommon Places“. Starkman hat ein ähnlich feines Gespür für die seltsame Magie ungewöhnlich-gewöhnlicher Orte, aber sie fasst sie weit weniger „beiläufig“ ins Bild wie der Altmeister der New Color Photography, komponiert vielmehr streng, zentralperspektivisch. Die Themen der studierten Journalistin und Soziologin kreisen um den Menschen als Individuum und soziales Wesen. Überzeugend etwa „The Starkmans“, die hautnahen, hyperreal anmutenden Portraits ihrer Herkunftsfamilie, aber auch „The Scholars“ (die Gelehrten), eine Serie über Professoren an kalifornischen Universitäten. Konzeptionell gewitzt: „The Secret Life of swimmers“. In 20 Bildpaaren zeigt Starkman Männer und Frauen unterschiedlichsten Alters und sozialen Status – links in ihrer Alltagskleidung, rechts in Badekleidung am Pool – die eines gemein haben: Sie sind passionierte Freizeitschwimmer. Ihr eindrucksvollstes Projekt aber hört auf den Namen „Laura“. Es ist die Geschichte einer Freundin mittleren Alters, die nach einem Hubschrauberabsturz mit 45 Knochenbrüchen und Verbrennungen aus dem brennenden Helikopter gezerrrt wurde und sich nun langsam, aber vollen Mutes wieder ins Leben tastet: Ein dramatisches Biopic und doch eins, das hoffnungsvoll stimmt.

Laura im Nachthemd, unter der Wasseroberfläche eines Pools schwebend. Im weinroten Abendkleid, auf einer sattgrünen Hochebene. In Unterwäsche im Rollstuhl, ihre Narben entblößend. Nackt auf einem Bett aus Moos, in die Welt geworfen wie ein frisch geschlüpftes Küken. Das Leben, so sagen diese Bilder, ist stärker als alles andere.

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d i g i t ! - 05/2011 d i g i t ! - 05/2011 €5,60 Checkout >> Read more >>