
Bei einem derart strengen Dualismus kann selbst die klügste Bergund- Tal-Erkennungssoftware ins Stottern geraten – etwa wenn sie aus satellitengestützten All-Augen auf so seltsame Gebilde wie Brücken blickt. Eine kleine Unebenheit, und Schwupps, geraten die Algorithmen aus dem Takt – und die Statik vollführt einen Veitstanz. Dass wir diesem wundersam wellenförmigen Fluss der Verkehrswege teilhaftig werden, ist das Verdienst des Künstlers und Programmierers Clement Valla aus Brooklyn, der die Google-Zerrbilder in seinem schlicht „Bridges“ betiteltem Projekt sammelt – und als Kunstpostkarten verkauft. Das ist ja das Schöne am Kapitalismus: Zur totalen Ökonomisierung aller Lebenssphäre findet sich immer ein kunstbeseelter Gegenentwurf, der – Geheimnis der Dialektik – kurz nach seinem verwertungsfreien Start selbst wieder zum Produkt wird. Konsum killt Kunst, Kunst pinkelt dem kunstkillendem Konsum ans Bein und so fort. Das Pendel der Verhältnisse ist eine manisch-depressive Wünschelrute. Fotografisch gesprochen geht es darum, den Punkt scheinbarer Ruhe in der Mitte der Bewegung zu erwischen – oder den Moment maximaler Auslenkung. Am Ende bleiben zwei Erkenntnisse: Erstens: Es gibt kein richtiges Bild im falschen. Und: Ein Bild kann eine Brücke sein. clementvalla.com

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