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Clement Valla: Bridges

Google („Don’t be evil“) hat es sicher nur gut gemeint: Die 3D-Gitter aus der Weltanschauungsapplikation Google Earth sollen das Platte, Zweidimensionale in den Raum führen und damit unserer alltäglichen Erfahrung annähern. Doch das Digitale ist diskret (nicht im Sinne von leise, rücksichtsvoll, verschwiegen, sondern im mathematischen): Schwarz oder Weiß, an oder Aus, Eins oder Null.

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Bei einem derart strengen Dualismus kann selbst die klügste Bergund- Tal-Erkennungssoftware ins Stottern geraten – etwa wenn sie aus satellitengestützten All-Augen auf so seltsame Gebilde wie Brücken blickt. Eine kleine Unebenheit, und Schwupps, geraten die Algorithmen aus dem Takt – und die Statik vollführt einen Veitstanz. Dass wir diesem wundersam wellenförmigen Fluss der Verkehrswege teilhaftig werden, ist das Verdienst des Künstlers und Programmierers Clement Valla aus Brooklyn, der die Google-Zerrbilder in seinem schlicht „Bridges“ betiteltem Projekt sammelt – und als Kunstpostkarten verkauft. Das ist ja das Schöne am Kapitalismus: Zur totalen Ökonomisierung aller Lebenssphäre findet sich immer ein kunstbeseelter Gegenentwurf, der – Geheimnis der Dialektik – kurz nach seinem verwertungsfreien Start selbst wieder zum Produkt wird. Konsum killt Kunst, Kunst pinkelt dem kunstkillendem Konsum ans Bein und so fort. Das Pendel der Verhältnisse ist eine manisch-depressive Wünschelrute. Fotografisch gesprochen geht es darum, den Punkt scheinbarer Ruhe in der Mitte der Bewegung zu erwischen – oder den Moment maximaler Auslenkung. Am Ende bleiben zwei Erkenntnisse: Erstens: Es gibt kein richtiges Bild im falschen. Und: Ein Bild kann eine Brücke sein. clementvalla.comclementvalla.com


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