Müde lehnen die weißen Kampfdroiden an einem schrottreifen amerikanischen Straßenkreuzer inmitten eines trostlosen Gewerbegebiets: „The Buick“ heißt das Motiv, und es ist eins von mehr als 50 Stadtansichten aus Cédric Delsaux’ „Dark Lens“-Triologie, in der Star-Wars-Helden auftreten. Da gibt es den eigenwilligen Roboter R2-D2, der in einer neondurchfluteten Autowerkstatt seinem Alter Ego in Form eines unförmigen Reinigungsgerät gegenübersteht, während zwischen ihnen ein Raumgleiter aufsetzt. Han Solos Raumschiff „Millenium Falcon“ ist in einer Baugrube vor der nächtlichen Skyline Dubais gelandet. Und dann tauchen erneut die Droiden auf, diesmal patroullieren sie auf einer menschenleeren Straße vor dem Banlieue einer französischen Großstadt.

Das Auftreten der Sternekrieger klingt nach einem allzu durchsichtigen Plot. Doch Delsaux’ Bildmontagen funktionieren auf einer ganz anderen Ebene. Es sei ihm darum gegangen „Fakt und Fiktion des urbanen Raums“ sichtbar zu machen, das „Traumpotenzial von Städten“ auszuloten, sagt der Franzose. „Ich wusste sofort, dass sich all die Charaktere aus der George-Lucas-Galaxie hier wie zu Hause fühlen würden. Weil ich nicht die absolute Realität vermitteln kann, zeige ich das Gegenteil: Die Fiktion, die ich davon habe.“ In erkenntnistheoretischer Hinsicht geht diese Absicht tatsächlich auf: Die Zukunft aus dem Kino erklärt die Gegenwart. Denn weil uns die Star-Wars-Helden viel vertrauter sind (und damit echter erscheinen) als die unwirklichen Stadtansichten von Dubai, Lille oder Paris, bringt erst die „Fälschung“ der Wirklichkeit ihren eigentlichen Charakter zum Vorschein: Dass Delsaux’ Dark-Lens-Zyklus weniger im aktuellen CGIHype wurzelt als in der zeitgenössischen Landschaftsfotografie, zeigt sich, wenn man seinen Werkzyklus „Here to stay“ betrachtet – einen Bilderreigen, der parallel zum gleichnamigen Öko-Dokumentation entstanden ist und in insgesamt 137 Arbeiten die Auswirkungen des Menschen auf den Planeten visualisiert.

„Zum einen empfinde ich Bewunderung, zum anderen Abscheu, Faszination und Geschmacklosigkeit“, sagt der studierte Filmemacher und Journalist über die großartigen Tableaus, auf denen sich unwirkliche Landschaften entfalten. Ihren Reiz ziehen sie nicht nur aus dem Kontrast von hyperrealer Schärfe und dem surrealen Licht, das mal dramatisch düster, dann wieder außerirdisch flau die Welt bescheint, sondern auch aus dem Gegensatz von Natur und Kultur. Das Spektrum der Motive reicht vom jungfräulichen Weiß der Arktis über unratübersäte Vorstadtansichten bis hin zu Ölfeldern oder dem Betondschungel asiatischer Großstädte. Delsaux’s Bilder thematisieren dem Grundkonflikt von Fotografie: den Antagonismus von Wirklichkeitsabbildung und -konstruktion. So wie der Mensch zum Schöpfer und potenziellen Zerstörer von Landschaft wird, sobald er in ihr auch nur die kleinsten Spuren hinterlässt, formt die Landschaftsfotografie das Weltbild in unseren Köpfen. www.cedricdelsaux.com

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