
Man glaubt es aufs Wort, wenn man seine spektakulären Hochgeschwindigkeitsfotos sieht. Sailer experimentierte mit unterschiedlichsten Materialien: Camembert, Pilze und Möhren eigneten sich weniger, das Knacken einer Walnuss mittels Projektil gelang hingegen vollendet. Dass Sailers Obstmotive stark an das legendäre 1964 entstandene Apfelbild von Harold Edgerton erinnern, kommt nicht von ungefähr: Sailers Blitzgerät basiert auf dem Design, das der Vater der Hochgeschwindigkeitsfotografie verwendete. Bei tödlichen 17.000 Volt Spannung flammt es 5 Mikrosekunden lang auf, ausgelöst durch eine Laserlichtschranke, die die 200 Meter pro Sekunde zurücklegende Luftgewehrkugel passiert. Belichtungszeit: eine Sekunde, Blende 9 bis 13 – je nach Reflektionsgrad des Motivs. „Der Blitz friert die Bewegung ein, und diese eine Sekunde gibt mir genug Zeit, den Auslöser zu drücken, während ich mit der anderen Hand den Abzug des Gewehrs betätige“, erläutert Sailer gegenüber der Daily Mail.

Der besessene Fotoshooter versteht sich auf die Ästhetik der Destruktion – und auf den ironischen Bildwitz. Neben Lebensmitteln nimmt er Himbeeren zermalmende Spielzeug-Dinosaurier, Barbiepuppen in Wilhelm-Tell-Pose, oder zuckersüße Porzellan-Püppchen ins Visier. Hintersinnig auch das Motiv „The end of Film“, bei dem Sailer einem Kodak Ektachrome einen Bauchschuss verpasst. Vorderseitig ist noch das Eindringen des Projektils in die Filmpatrone zu sehen, während rückseitig bereits braune Zelluloidspritzer austreten. Doch nicht nur Analog-, auch Weihnachtenverächter kommen auf ihre Kosten, denn auf jahresendzeitliche Motive hat es der Kalifornier besonders abgesehen: Geleegefüllte Christbaumkugeln gehören ebenso zu seinen Lieblingszielen wie putzige Steingut-Weihnachtsmänner. In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern eine: Stille Nacht! www.flickr.com/photos/8763834@N02


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