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Slit-Scan-Fotografie: Ansen Seale und Frederic Fontenoy

Das Wesen der Fotografie ist es, einen Moment in der Zeit einzufangen – normalerweise. Die Slit-Scan-Technologie dehnt diesen Moment aus. Das Verfahren: Der Film oder der Aufnahmesensor wird durch einen schmalen Schlitz über einen längeren Zeitraum belichtet und macht so Zeit sichtbar – wenn auch auf eine Weise, die unserer Wahrnehmung diametral widerspricht: Statische Objekte zerfließen, bewegte werden, je nach Geschwindigkeit, mehr oder weniger unverformt abgebildet. Das klingt zunächst nach Effekthascherei, doch tatsächlich steckt in der ungewöhnlichen Aufnahmetechnik jede Menge Potenzial für Motive, die dank ihrer förmlichen Verfremdung fesseln und zugleich vom Wesen der Zeit erzählen. „Statt die Welt wie wir sie kennen, zu spiegeln, enthüllt diese Kamera eine verborgene Wirklichkeit“, schreibt Ansen Seale, einer der Pioniere des Slit-Scannings, auf seiner Website. „Wie ein Mikroskop oder Teleskop erweitert diese Maschine unsere Fähigkeit, das Wesen der Wirklichkeit zu erkennen.“ Eigens für diesen Zweck hat der Ingenieur aus Texas eine digitale Panorama-Kamera so modifiziert, dass sie rund 10.000 vertikale Streifen pro Bild belichtet und anschließend aneinanderfügt.

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Als Inspirationsquellen verweist Seale nicht nur auf die Chronofotografie-Veteranen Harold Edgerton und Eadweard Muybridge, sondern auch auf die Kubisten. Tatsächlich erinnert vor allem seine Schwarzweiß-Aktserie „Temporal Form“ an Picasso und Co, im psychedelischen Zerfließen der nackten Körper aber auch an Salvador Dalì. In seinen jüngeren farbigen Serien fängt Seale den Faktor Zeit in Motiven wie Sportveranstaltungen, Landschaften oder der Bewegung der Gezeiten ein – lesbar als Langzeitbelichtungen in horizontaler und als Schnappschüsse in vertikaler Richtung. Einen ästhetisch noch radikaleren Ansatz verfolgt der auch ansonsten nicht um abseitige Einfälle verlegene Franzose Frederic Fontenoy in seiner zwischen 1988 und 1990 erstellten Slit-Scan-Fotoserie „Métamorphose“. Nackte Männerkörper zerfließen und vereinen sich mit Wald-, Feld- und Küstenlandschaften, delphin-, schwan-, alienartig wie fleischfarbener Rauch in einem schlechten Drogentripp. Welcher handwerklich-technische Aufwand zu analogen Zeiten hinter den anmutig-alptraumhaften Slit-Scans steckte, kann man nur erahnen. Heute geht das auch weit banaler, ein iPhone und 0,79 Cent reichen: Im Apple Store steht mit „Timetracks – Slit- Scan Camera“ eine App bereit, die zumindest erste Gehversuche in der fotografischen Zeitbeugetechnik ermöglicht. www.ansenseale.comwww.ansenseale.com

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www.fredericfontenoy.com/Site/ Metamorphosewww.fredericfontenoy.com/Site/ Metamorphose


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