Der Grat zwischen anrührenden und kitschigen Landschaftsbildern ist ein schmaler. Sean Stiegemeier bewegt sich auf ihm mit traumwandlerisch sicherem ästhetischen Gespür. Mal wirken seine Landschaften wie Screenshots aus einem außerirdischen Science Fiction Film, dann wieder wie Szenen aus einem düster-bizzaren Werk von Fantasy-Genie Tim Burton. Die ästhetische Nähe zum Film ist kein Zufall: Stiegemeier arbeitet sowohl mit der Foto- als auch der Filmkamera – und allem, was es dazwischen gibt. Besonders beeindruckend: Das in der Stop-Motion-Technik entstandene Musikvideo „Stomacher – Untitled/Dark Divider“, das Stiegemeier mit einer Canon EOS 5D Mark II in seiner kalifornischen Heimat und während seiner Reisen nach Utah, Oregon, Prag und Japan eingefangen hat: Wolken, die über bunte Hügel oder verschneite Berge ziehen, der Sternenhimmel, der einen steil aufragenden Felsen einkreist, Menschen und Autos, die durch die Metropolen flitzen: Es ist der erhabene Blick des allwissenden Beobachters, das aus diesen Bildern spricht. Ebenso faszinierend, aber mit aktuellem Bezug: die ebenfalls im Zeitrafferverfahren aufgenommene Eruption des isländische Vulkans Eyjafjallajökull, der ja wegen seiner flugverkehrlahmlegenden Tätigkeit in den Medien zuletzt bekanntermaßen schlecht beleumundet war. Stiegemeier gibt ihm seine Unschuld zurück. Er zeigt die andere, die schöne Seite des unbezähmbaren Widerspenstigen: die Aschewolke als Naturphänomen von atemberaubender Schönheit. www.in-perfidia.com

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in
| < Zurück |
|---|

