Es gibt nicht viele Fotografen, die sich auf das verstehen, was man „cineastische Fotografie“ nennen könnte. Gemeint ist eine exklusive Form der fotografischen Inszenierung mit spielfilmartiger Intensität, für die ein immenser Aufwand hinsichtlich Requisite und Licht getrieben wird. Der bekannteste Vertreter ist der US-Amerikaner Gregory Crewdson, dessen düstere Inszenierungen angeblich bis zu einer halben Millionen Dollar kosten. Hierzulande ist ebenfalls ein Protagonist des ungewöhnliches Genres in Erscheinung getreten: Philipp Schumacher. Lichtbilder nennt der erst 26-Jährige seine Werke, in den vergangenen vier Jahren hat er 15 davon produziert: Kohle-Kumpel, die wie auf Leonardo da Vincis „letztem Abendmahl“ speisen – im Saal einer Zeche; eine junge Flötistin und ein Hirsch, die an einem mondbeschienen See aufeinandertreffen; eine „Dinner for One“-Szene, in der ein Call-a-Pizza-Kellner, ein Geiger und eine wundersam erleuchtete Brücke die Hauptrolle spielen. Oder jene Frau, die auf einem Eisenbett im Becken eines Hallenbads dahin treibt. Schumachers Lichtbilder sind märchenhafte, atmosphärisch dichte Konstrukte, mal hyperrealistisch, mal surrealversponnen.

Aber sie alle sind ohne digitale Manipulation entstanden. „What you shoot is what you get“ lautet das Rezept für die Großformat-Tableaus, die Schumacher mit einer Sinar F2 fotografiert, anschließend einscannt und als Large-Format-Prints ausgibt. Vor dieser Finalisierung hat der Schöpfer allerdings jede Menge Schweiß gesetzt. So kamen bei Schumachers jüngstem, im Duisburger Studentenmilieu spielenden „Lichtbild No.15“ 50.000 Watt Licht, zwei Tonnen Equipment, zwei Nebelmaschinen und jede Menge Helfer zum Einsatz. Planung und Vorbereitung zogen sich über Monate. Lohn des Aufwands: Ein Bild, das mehr zeigt, als die Wirklichkeit hergibt und lichtatmosphärisch dem von Schumacher für seine Bildern erfundenen Kunstnamen alle Ehre macht: ein One-shot-Movie. www.philipp-schumacher.com

Dieser Artikel wurde veröffentlicht in
| < Zurück | Weiter > |
|---|

