Sphärische Fotografien umschließen den Betrachter wie eine Kuppel und verschaffen ihm eine allmächtige Perspektive. Fotodesign Riess nutzt das aufwändige Verfahren seit Jahren für interaktive Werbeeffekte. Nun sind die Münchner Imaging-Spezialisten abgetaucht – und haben einzigartige Kugelbilder aus dem Roten Meer emporgeholt.
18 Ausrichtungen mit jeweils 7 HDR-Teilshots: Hochauflösende UW-Sphären sind extrem aufwändig.
Die ägyptische Sonne bricht durch die Wasseroberfläche des Roten Meeres, schickt silbrig-milchige Strahlen in das Tiefblau über unseren Köpfen, lässt die Schwämme auf dem Korallenriff unter unseren Füßen neongrün aufleuchten und die Fische vor unseren Augen safrangelb oder rosaorange. Das Wasser wimmelt vor Leben, ein Schwarm blaugelbgestreifter Zebrafische taucht auf, der gelbgrün- gefleckte Panzer einer Meeresschildkröte, gleich hinter dem Riff ziehen Delphine vorbei. Dann gerät ein rot-weiß gestreiftes, stachelbewehrtes Geschöpf in unser Blickfeld – ein Feuerfisch? Jeder vorsichtige Taucher würde jetzt auf Abstand gehen – wir aber gehen dichter ran, auf Tuchfühlung mit dem Skorpionfisch, dessen Gift uns nichts anhaben kann, weil die Begegnung bloß auf dem Monitor unseres Redaktionsrechners stattfindet. Per Maus manövrieren wir durch das Unterwasserbild, schauen mal nach rechts, dann hoch zum Schiffsrumpf, dann wieder auf den Fisch vor uns; es ist nur ein virtueller Tauchgang und doch hat er fast etwas Gruseliges, so lebensecht wirkt das Tête-à-tête mit den Meeresbewohnern: Willkommen in der Welt der sphärischen Fotografie, willkommen in den Unterwasser-Sphären von Wolfgang Riess.

No flash, please: Wegen der Schwebeteilchen ist das Blitzen in Höhlen eher kontraproduktiv.
Mittendrin statt nur dabei
Die sphärische Fotografie, kurz Sphärografie, versetzt den Betrachter in eine allmächtige Position. Sie bietet ihm jede beliebige Perspektive, lässt ihn in den Bildern reisen, vom Bürostuhl oder dem Sofa aus. Sie erweitert das Panoramafoto-Prinzip in die dritte Dimension. Anders als zylindrische Panoramen, die sich auf einen 360 Grad breiten, in der Höhe begrenzten Wirklichkeitsausschnitt beschränken, kennen die aus vielen Einzelshots montierten Kugel-Panoramen keinen Anfang und kein Ende, denn sie schließen die Blickwinkel über dem Kopf und unter den Füßen des Kamera- bzw. Betrachterstandpunkts ein. Zenit und Nadir heißen diese Bildareale – Nord- und Südpol, wenn man so will. Geometrisch gesprochen betrachten wir also eine Kugel aus ihrem Mittelpunkt heraus. Damit befinden wir uns im Zentrum des Geschehenes: mittendrin statt nur dabei. Panoramen sind fast so alt wie die digitale Fotografie, selbst Unterwasser-Sphären sind nichts wirklich Neues, ja, ursprünglich sind sie nicht einmal von Foto-Profis entwickelt worden, sondern ...
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