Ausserordentliche Reisen

digit! 6-2015 Fine-Art-ImagingChristian Tagliavini inszeniert die Welten von Jules Verne.

„Der Feuerstrahl, welcher weißglühend zum Himmel sich erhob, verbreitete sein Licht über ganz Florida, und eine Weile war weit und breit das Land taghell erleuchtet. Das uner-messliche sprudelnde Feuer ward hundert Meilen weit auf dem Meere gewahrt …“ So beschreibt der französischen Science-Fiction-Pionier Jules Vernes im Jahr 1865 den Start einer bemannten Mondrakete – gut hundert Jahre, bevor die Apollo 11 auf dem Erdtrabanten landete. Die Szene spielt im 27. und vorletzten Kapitel von Vernes Roman „Von der Erde zum Mond“, nach 26 Kapiteln der Vorbereitungen. Das ist kein schlechtes Sinnbild für den zweieinhalb Jahre dauernden konzeptionellen und handwerklichen Schaffensprozess, den der Bildermacher Christian Tagliavini durchlief, ehe er sein Projekt „Voyages Extraordinaires“ im vergangenen Jahr abschloss.

Die 28-teilige Bilderserie ist inspiriert durch drei der bekanntesten Romane Vernes: „20.000 Meilen unter dem Meer“, „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ sowie „Von der Erde zum Mond“. Dass der Italo-Schweizer rund 30 Monate brauchte, liegt nicht allein an seinem Perfektionismus und seiner Detailversessenheit, sondern vor allem an seiner besonderen Arbeitsweise. Denn anders als wohl alle anderen bekannten Stage-Photogra-phy-Vertreter übernimmt der studierte Bauingenieur und ehemalige Betreiber eines Grafikdesignbüros bei der Realisation seiner Bilderserien grundsätzlich alle Arbeitsschritte selber – von den ersten Scribbles über das Design der maßgeschneiderten Kleider bis hin zum Entwurf und Bau jedes noch so kleinen Bühnenbilddetails: selbstgefertigte Jugendstilmöbel, rätselhafte technische Gerätschaften, Raum- und Tauchanzüge, die Beschreibungen und Visionen Vernes visualisieren, selbstentworfene Art-déco-Tapeten, retro-futuristische Fortbewegungsmittel aus Holz und Metall. Tagliavini arbeitet dafür ebenso mit Säge, Flex, Exzenterschleifer, Spritzpistolen und Pinsel wie auch mit 3D-Programmen.
Die Idee zu „Voyages“ kam ihm bezeichnenderweise während einer seiner Reisen. U-Boot Nautilus aus einem von Vernes Romanen nachempfunden ist, war die Idee mit einem Mal da“, erinnert sich Tagliavini.


digit! 6-2015 Fine-Art-ImagingDas Besondere: So akribisch der Foto-künstler in Sachen Kulissen und Requisi-ten recherchierte, um dem Zeitkolorit des französischen Schriftstellers Genüge zu tun, so intuitiv ging er bei dem Ausdefinie-ren seiner eklektischen Hommage an den französischen Science-Fiction-Vorreiter vor. Statt sich erneut in die Werke Vernes zu vertiefen, verließ er sich größtenteils auf die Erinnerungen seine Jugendlektüre und nahm dabei bewusst mögliche Abwei-chungen von den Geschehnissen der Ro-mane in Kauf, ja er erfand sogar Technik, Protagonisten und französisch klingende Neologismen – etwa „La Selenaute“.


Doch noch etwas ist ungewöhnlich an Tagliavinis Vorgehensweise: Der Autodidakt, der seit gut zehn Jahren an seinen freien, von historischen Epochen inspirierten Serien arbeitet, setzt praktisch ausschließlich auf Laiendarsteller. „Menschen, die zum ersten Mal vor der Kamera stehen ...

 

 


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