Oder: Wer hat Angst vorm Amateur? Seit einem halben Jahr ist die Flickr-Kollektion bei Getty Images online. digit! zieht eine erste Zwischenbilanz und beleuchtet Mehrwert und Risiken für Art Buyer, Flickrianer und etablierte Stockbild-Lieferanten.Welche Bildagenturen auch immer man in den letzten Jahren nach stilistischen und inhaltlichen Trends fragte, eine Aussage war immer zu hören: Der Markt schreie nach authentischen, ehrlichen Bildern. Eine Methode, dieses Marktverlangen zu befriedigen: Motive, die aus dem Leben gegriffen scheinen, werden in aufwändigen Shootings inszeniert. Die andere: Man bedient sich in der „wirklichen Wirklichkeit“, und nach der braucht man in den Sphären des Web 2.0 nicht lange zu suchen.

Getty Images tut das eine – ohne das andere zu lassen. Die weltgrößte Bildagentur schöpft aus dem schier endlosen Bildreservoir nutzergenerierter Inhalte und bringt den Content – professionell auf Qualität und Marktrelevanz fein vorgesiebt, kundengerecht getagged und rechtlich wasserdicht verpackt – seit Mitte März unter dem Namen Flickr-Kollektion auf den Markt. Dass die Entscheidung auf die mehr als 3,4 Mrd. Bilder starke Yahoo!- Tochter Flickr fiel, liegt nahe: Keine Fotocommunity ist größer und internationaler aufgestellt und zugleich derart regional verwurzelt – shoot local, post global! Die Kooperation des Fotocommunity- und des Agentur- Riesen ist weit mehr als ein Testballon, das zeigen aktuelle Zahlen:
Schon jetzt sind 80.000 Bilder angefragt, rund 35.000 stehen online bereit – Tendenz steigend. 11.000 Flickr-Mitglieder sind angefragt worden, 5.000 Fotografen aus über 100 Ländern haben zugesagt, über 200 davon allein aus Deutschland.
Minimaler Aufwand für Flickr-Fotografen – bei gleichen Konditionen Die positive Resonanz von Seiten der Flickrianer ist leicht nachvollziehbar, gelten für sie doch die gleichen Konditionen wie für alle anderen Bildlieferanten: 20 % Umsatzbeteiligung für Royaltyfree-, 30 % für Rights-managed-Material. Zugleich bleibt ihr Aufwand minimal – neben Model- oder Property-Releases und einer Datei von mindestens 3 MB müssen sie nichts liefern. „Das Tolle ist, dass man mit nichts etwas am Hut hat“, sagt Flickr-Fotograf Thorsten Kraska, der sich auf Food-Fotografie spezialisiert und bei Getty derzeit 43 Bilder online hat.

Bisherige Bilanz: acht Verkäufe in vier Monaten. „Ich poste meine Bilder, die ursprünglich ohne kommerziellen Hintergedanken entstanden sind, ohnehin auf Flickr. Getty kümmert sich um alles – von der Verschlagwortung über die Rechteklärung bis hin zur Vermarktung und Verkaufsabwicklung. Wenn ich en passant immer mal wieder was verkaufe, ist das ein willkommenes Zubrot.“ Einziger Haken aus Sicht der Getty-Novizen: Sie behalten zwar die Rechte an ihren Bildern, verpflichten sich aber, diese zwei Jahre lang exklusiv über Getty zu vermarkten – Motive aus Bildserien eingeschlossen.
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