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DSGVO - DATENSCHUTZ-GRUND-UNORDNUNG

digit! 3-2018 Die Datenschutzgrundverordnung DSGVO ist in aller Munde, und für professionelle Fotografen schmeckt sie bitter. Sie haben Angst, künftig Motive mit Menschen aufzunehmen. Doch nach der ersten Panik mahnen viele Fachleute zur Beson- nenheit. Denn an digitale Fotos, auf denen Personen abgebildet sind, werden ähnliche Schutzanforderungen gestellt wie an ein Adressverzeichnis. Von Sebastian Drolshagen

Weltuntergang: Fast schien es, als würden wir nach der großen DSGVO-Welle Ende Mai alle mit Bienen und Blumen als Motiv Vorlieb nehmen (was bitte kein Affront gegen die Kollegen Naturfotografen sein soll). Einfach einen Stapel Releases in einen Stadion-block werfen, weil man gerade einen Wettkampf fotografiert und jede Menge personenbezogene Daten produziert – kein Spaß. Und bei der kirchlichen Trauung erst mal Datenschutzerklärungen neben die Lied-Heftchen in die Bank zu legen, klingt genauso unrealistisch.

Ist es auch, wenn man Thomas Hoeren fragt. „Das wäre maßlos übertrieben. Keine Angst vor Aktenordnern und zu vielen Informa-tionspflichten“, sagt der habilitierte Jurist, der an der Universität Münster einen Lehrstuhl am Institut für Informations-, Tele-kommunikations- und Medienrecht innehat. Klingt erfreulich, doch der Fachmann entlässt die Fotografen keineswegs aus der Pflicht. Tauscht man sich mit ihm über die DSGVO in Bezug auf die Fotografie aus, wird deutlich: Wer bisher sauber gearbeitet hat, dürfte auch künftig kein Problem bekommen. Gerade mit Blick auf Braut und Bräutigam war das nicht immer der Fall. „Die Hochzeits-fotografie war unter dem alten Kunsturhebergesetz (KUG) ein schreckliches Übel. Man kann nicht einfach als professioneller Fo-tograf alle Hochzeitsgäste aufnehmen und dann die Fotos ins In-ternet stellen. Schon nach altem Recht war es nur erlaubt, die Hochzeitsgesellschaft als Gruppe aufzunehmen oder die konkrete Einwilligung einzuholen.“

Wie hältst du es mit dem KUG?
Das Stichwort „Kunsturhebergesetz“, kurz KUG, begegnet einem immer wieder bei der Debatte um die DSGVO. Viele Kolleginnen und Kollegen werden wissen, dass hier die Regeln stehen, die es bisher einfacher machten, Bilder ohne explizite Freigabe zu veröf-fentlichen, vor allem im journalistischen Umfeld. Stichworte zur Erinnerung: „Personen der Zeitgeschichte“ (Promis / „Caroline-Ur-teil“), Menschen als „Beiwerk“ oder das „konkludente Einver-ständnis“. „Wer eine Kamera sieht und weiß, dass ein professio-neller Fotograf das Foto macht, gibt seine stillschweigende Zustimmung zur üblichen Nutzung solcher Fotos“, erläutert Prof. Dr. Thomas Hoeren. Er vertritt die Auffassung, dass diese Einwilli-gung nach neuem und altem Recht gleichermaßen gilt. Das KUG heranzuziehen, überlässt er anderen und fragt: „Wie kann ein Ge-setz von 1909 eine Umsetzung einer Verordnung aus dem Jahre 2016 sein?“

Eine gute Frage, über die jedoch viele Streiter in Sachen DSGVO hinweggehen. Ihre Überlegungen kreisen darum, dass das KUG weiterhin gilt. Möglich wäre das, weil die DSGVO Ausnahmen von der Verordnung ausdrücklich zulässt. Auch Jan Philipp Albrecht verweist in seinem Blog auf eine Ausnahme nach Artikel 85 der DSGVO. Und Albrecht kennt den Text bestens: Er sitzt für die Grü-nen im Europaparlament, die DSGVO ...


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