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HI-FI-FOTOGRAFIE – TEIL 3 SCHARFES FINISH

digit! 6-2017Beim Thema Scharfzeichnung sind viele Fotografen unsicher, wenn sie ihre Bilder bearbeiten: Wann soll ich scharfzeichnen? Wie stark soll ich scharfzeichnen? Welches Programm soll ich dazu verwenden: RAW-Konverter, Photoshop oder ein Plug-in? Frank Werner findet im dritten Teil seines Hi-Fi-Workshops die Antworten.

Wer die beiden vorhergehenden digit! Artikel gelesen hat, ahnt die Antwort bereits: Es ist keine Frage des Sollens, sondern eine Notwendigkeit, ein digitales Bild scharfzuzeichnen. Denn das Bild, das die Kamera auf dem Sensor aufzeichnet, entspricht in Bezug auf die Schärfe nicht der Realität. Die Bildinformationen durchlaufen einen optoelektronischen „Hindernisparcour“, bestehend aus einem nicht perfekten Objektiv, häufig einem Tiefpassfilter (Low-Pass), der Moiré-Effekte vermeiden soll und einem Bayer-Pattern (Farbfilter). Zu guter Letzt treffen die Photonen dann noch auf eine durch Pixel gerasterte Sensoroberfläche.

Wer einen Megapixelboliden ab ca. 30 Millionen Pixel sein Eigen nennt, hat dazu noch mit Mikroverwacklungen bei Aufnahmen aus der Hand zu kämpfen. Die Zeit, in der man Bilder mit 1/30 s aus der Hand gehalten hat, sind Geschichte und entstammen den „glorreichen“ Zeiten des analogen Films mit einer effektiven Auflösung von ca. 8 Megapixeln beim Kleinbild und ca. 20 Megapixeln beim Mittelformat – und auch damals hatten die Mittelformatfotografen immer Stative dabei. Mit einer Nikon D850, einer Fujifilm GFX oder einer Phase One mit 100 Megapixeln muss man schon Glück haben, Zeiten von 1/125 Sekunde bis 1/250 Sekunde ohne Schärfeverluste „halten“ zu können und erst bei noch kürzeren Zeiten ist man relativ sicher vor Mikroverwacklungen. Minimale Mikroverwacklungen kann man mit Schärfen kaschieren, aber nicht korrigieren. Bei der Aufnahme ein Stativ zu verwenden, ist hier immer noch die beste Lösung.

digit! 6-2017Der Schärfe-Workflow
Der richtige Zeitpunkt für das Schärfen ergibt sich durch den Workflow. Wird zur Bildbearbeitung ausschließlich ein RAWKonverter wie Lightroom oder Capture One verwendet, dann schärft man seine Bilder dort. Das Gute ist: Bei diesen beiden RAW-Konvertern ist bereits eine hochwertige, zweistufige Schärfung integriert, mit der man 90 Prozent der erzielbaren Schärfungsqualität erreichen kann.

Wer seine Bilder danach in Photoshop weiterbearbeiten möchte, hat mehrere Möglichkeiten:

  1. Einstufiges Schärfen: Die einfachste, aber inzwischen veraltete Möglichkeit besteht darin, das Bild nur im allerletzten Schritt der Bearbeitung für die Ausgabe zu schärfen. Hier ist zu beachten, dass das Bild für die geplante Ausgabegröße geschärft werden muss. Bilder für Web, Inkjet- und Offsetdruck müssen, da Auflösung, Größe und Drucktechnik sehr unterschiedlich sind, jeweils etwas anders geschärft werden. Darauf werde ich später eingehen. Eine einstufige Schärfung ist heute nur in Ausnahmefällen zu empfehlen.
  2. Zweistufiges Schärfen: Schritt 1 ist eine sogenannte Aufnahmeschärfung, welche die oben beschriebene technische Unschärfe durch Objektiv, Bayer-Pattern usw. korrigiert. Sie erfolgt meist im RAW-Konverter (in Lightroom z. B. unter „Details“, bei Capture One im Werkzeug „Schärfe“). Werden Bilder bereits als konvertierte, ungeschärfte TIFFs oder JPGs angeliefert oder handelt es sich um gescannte Dateien, kann dieser erste Schritt auch in Photoshop am Bild in der Originalgröße durchgeführt werden.

Schritt 2 ist auch hier eine Ausgabeschärfung für den gewünschten Anwendungszweck, die als allerletzter Schritt vor dem Speichern in Photoshop oder alternativ (z. B. wenn das Bild ...


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