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DER ELEKTRONISCHE VERSCHLUSS

digit! 2-2018 Der mechanische Schlitzverschluss gehört zu den wenigen verbliebenen beweglichen Teilen einer Digitalkamera. Der lautund vibrationslose elektronische Verschluss hat ihn noch nicht verdrängen können, aber die Hersteller arbeiten daran, ihn zu einer vollwertigen Alternative zu machen. Von Michael Hußmann

Der elektronische Verschluss ist so alt wie die Digitalfotografie; dennoch findet man in jeder Systemkamera mit oder ohne Spiegel einen mechanischen Schlitzverschluss. Ein elektronischer Verschluss, sofern vorhanden, ist lediglich eine Option. Dabei sind die Nachteile des Schlitzverschlusses offensichtlich. Für jede Belichtung müssen die Verschlussvorhänge extrem beschleunigt werden, und zwar für lange wie für kurze Zeiten, denn sie bewegen sich immer gleich schnell. Das kostet Energie und sorgt für Verschleiß. Em Ende des Weges müssen die Verschlusslamellen wieder abbremsen, wobei die Energie nutzlos und sogar kontraproduktiv in Lärm und Vibrationen des ganzen Kameragehäuses umgesetzt wird. Ein elektronischer Verschluss dagegen hat keine beweglichen Teile, ist absolut lautlos und erzeugt auch keine Vibrationen. Warum also setzen die Kamerahersteller nicht längst auf die Elektronik?

digit! 2-2018Rolling Shutter
Aktuelle Kameramodelle mit CMOS-Bildsensor unterstützen oft einen elektronischen Verschluss nach dem Funktionsprinzip des „rolling shutter“. Der Name rührt daher, dass die Belichtung gewissermaßen von oben nach unten über den Sensor „rollt“. Zum Beginn der Belichtung werden die Zeilen der Sensorpixel nacheinander auf null gesetzt. Das heißt, die Ladungsspeicher der Pixel werden von allen bis dahin gesammelten Elektronen entleert. Mit der gleichen Geschwindigkeit liest die Kamera dann Zeile um Zeile aus und digitalisiert die gemessenen Werte jedes Sensorpixels.

Die Zeit, die zwischen dem Entleeren des Ladungsspeichers und dessen Auslesen vergeht, entspricht der gewählten Belichtungszeit, aber diese Prozedur für alle Sensorpixel auszuführen, dauert sehr viel länger. Zeiten um 1/20 s sind durchaus typisch, und damit braucht der elektronische Verschluss etwas zehnmal so lange wie der Schlitzverschluss für eine vollständige Belichtung. Wenn sich das Motiv währenddessen bewegt, wird es am oberen Rand des Bildes in einer anderen Bewegungsphase abgebildet als am unteren, und das Ergebnis sind – oft groteske – Verzerrungen. Dass die kurze Belichtungszeit pro Pixel die Bewegung einfriert, kann dagegen nichts ausrichten. Gepulste Lichtquellen wie die immer populäreren LED-Lampen erzeugen ein Muster heller und dunkler Streifen, da jede Pixelzeile eine andere Phase abbildet. Auch den Blitz können Sie nicht verwenden, denn aufgrund dessen kurzer Leuchtdauer wäre er nur in einem schmalen Streifen des Bildes wirksam.

Trotz der Vorteile seiner Lautlosigkeit und Vibrationsfreiheit spricht daher vieles gegen den elektronischen Verschluss nach dem Rolling-Shutter-Prinzip – im Zweifelsfall sollten Sie beim mechanischen Verschluss bleiben.

Halb elektronisch, halb mechanisch
Aufgrund dieser Nachteile bieten Hersteller wie Fujifilm, Nikon, Olympus, Panasonic und Sony bei einigen Modellen eine Kombination beider Verschlussarten an, den Schlitzverschluss mit elektronischem erstem Verschlussvorhang. Das was den elektronischen Verschluss so langsam macht, ist das Auslesen der Sensorpixel am Ende der Belichtung. Das Entleeren der Ladungsspeicher zu deren Beginn


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